Wenn man die Ergebnisse von Kuoni im ersten Halbjahr betrachtet, ist
man dazu geneigt, klare Aussagen zu machen: Top-Ergebnis im Konzern und
relativ schwaches Ergebnis in der Geschäftseinheit Schweiz. Der erste
Teil dieser Aussage ist sicher richtig, aber Kuoni Schweiz muss doch
etwas differenzierter betrachtet werden.
Die Konzernzahlen sind in der Tat beeindruckend. 9,9% mehr Umsatz und
ein deutlich höheres Betriebsergebnis (EBIT) sind ausgezeichnet. Nicht
ohne Stolz bemerkt CFO Max E. Katz, dass dieses Wachstum
ausserordentlich ist, genau so die Rendite. Besonders positiv:
Skandinavien mit fast 30% mehr Umsatz und 6,9% mehr EBIT, aber auch
Asien und Destination Management mit 16,3% mehr Umsatz und 102% mehr
EBIT.
Sorgenkind bleibt die Einheit UK, die (noch) nicht vom Fleck kommt. Der
Umsatz ist um 7,5% gesunken. Allerdings wirft diese Einheit noch immer
ein positives EBIT ab. Unsicher ist die Zukunft des Internet-Projekts
Shoestring. Die Performance scheint derart schlecht zu sein, dass auch
ein Ende oder ein Verkauf von Shoestring bereits in den kommenden
Monaten nicht ausgeschlossen ist. Problematisch für den Konzern ist die
Währungssituation, denn alleine durch Umrechnungen in der
Konzernrechnung ist ein deutlich negativer Einfluss zu sehen.
Zur Schweiz: Die Umsatzentwicklung im ersten halben Jahr war mit plus
1,9% nicht berauschend. Entscheidend für das Jahresergebnis ist
allerdings das traditionell umsatzstarke dritte Quartal. Zwei Indizien
sprechen dafür, dass Kuoni Schweiz per Ende September deutlich bessere
Zahlen zumindest Umsatzzahlen präsentieren wird: Der Buchungsstand
von plus 6% gegenüber Vorjahr wird das Umsatzwachstum von jetzt 1,9%
deutlich nach oben drücken sofern nichts Spezielles passiert. Zudem
wird sich der Relaunch von Helvetic Tours ganz besonders im dritten
Quartal bemerkbar machen. Und hört man sich bei Kuoni um, scheint
dieser Relaunch wirklich geglückt zu sein nicht nur zahlenmässig,
sondern auch deshalb, weil das Produkt Helvetic Tours ein markantes,
eigenes Gesicht erhalten hat, hinter dem die Produktverantwortlichen
mit Stolz stehen.
Interessant zu beobachten wird die Gewinnentwicklung in der Schweiz im
laufenden Quartal sein. Der Verlust im ersten Halbjahr hat sich zwar
verringert, aber fast nur wegen rechnungslegungsbedingten
Minderabschreibungen nach dem Edelweiss-Verkauf.



