Erfolgreiche Strategie, wenn man ihr treu bleibt (Ausgabe 2011-51)

Globetrotter Group im Plus – Netflight.ch auf Eis gelegt

Der Globetrotter Group scheint es gut zu gehen. Während die grossen drei Schweizer Reiseveranstalter laut Schätzungen teils deutlich unter Vorjahr liegen, hält sich Globetrotter nach wie vor mit zwei bis drei Prozent im Plus. Entgegen kommt dem Unternehmen sicherlich, dass der Schwerpunkt auf dem Retailing liegt, das im Moment allgemein etwas besser dasteht als das klassische Tour Operating. Und dort, wo in der Globetrotter-Gruppe Tour Operating betrieben wird, geschieht es in den Nischen, in denen es sich derzeit ebenfalls besser wirtschaften lässt als im breiten Massengeschäft. Ausnahmen bestätigen die Regel: Desert Team befindet sich deutlich im Minus, da im Laufe des Jahres immer mehr Wüsten-Destinationen aufgrund politischer Unruhen wegfielen. Nischen bedeuten immer auch Klumpenrisiko.

Der grosse Vorteil der Globetrotter Group besteht darin, dass ihre Strategie exakt der generellen Entwicklung der Reisebranche entspricht. Die Konsumenten buchen Massenware und «einfach gestrickte» Reisen immer öfter direkt und umgehen den Trade, während sie bei komplexen Buchungen und Destinationen abseits der touristischen Hochburgen auf die Reiseprofis zurückgreifen – genau dort, wo sich Globetrotter befindet. Beim Unternehmen geht man denn auch nicht davon aus, dass die Anzahl Kunden im kommenden Jahr steigen wird; vielmehr erwartet man, im mittleren und höheren Segment, wo sich die beratungsintensiven Produkte befinden, zulegen zu können. Aus diesem Grund funktionieren auch die Bereiche Geschäftsreisen und Sportreisen (als Partner von Swiss Olympic), in denen Globetrotter stetig zulegt.

Aus diesem Konstrukt ausbrechen zu wollen, kann riskant sein, wie das Beispiel Netflight.ch zeigt. Das Unternehmen lancierte dieses Online-Buchungsportal für Flüge, Hotels, Badeferien und Mietwagen vor einem Jahr, ein eigentlich sehr «Globetrotter-untypisches» Produkt. Man versuchte damit den Einstieg in einen Markt, der schon hart umkämpft ist, in dem Masse matchentscheidend ist und grosse Investitionen nötig sind. Das Resultat: Globetrotter befindet sich mit Netflight.ch nach einem Jahr noch auf Feld 1, hat das Projekt quasi sistiert und sucht nun einen potenten Partner. Die Tatsache, dass der aktuelle Marketingpartner Scout24 mit dem Medienunternehmen Ringier verbandelt ist, das wiederum am neuen Online-Portal Etrips.ch beteiligt ist, mag ein Teil der Wahrheit sein – vielleicht hat sich Globetrotter mit Netflight.ch aber auch einfach übernommen.

Stefan Jäggi