Die meisten Reiseveranstalter sind erfolgreich ins Jahr gestartet und
berichten von teils signifikanten Umsatzzuwächsen im Vergleich zum
Vorjahr. Viele Schweizer Anbieter argumentieren, dass diese Tatsache in
einem direkten Kausalzusammenhang mit den zwischenzeitlich etablierten
Frühbucherrabatten stehe. Last-Minute sei nicht mehr gefragt.
Bei LTur würden solche Aussagen wohl kaum unterschrieben. Denn hier
wird alles auf die Last-Minute-Karte gesetzt. Das gesamte
Geschäftsmodell basiert darauf. Mit Kurzfrist-Ferien wurden in den
vergangenen Jahren Rekordumsätze generiert. Tendenz weiter steigend.
Vergangene Woche öffnete die LTur-Zentrale in Baden-Baden ihre Türen
und gewährte einen Blick hinter die Kulissen des Geschehens und der
Unternehmung. Mit gutem Gewissen. Denn der Restplatzvermarkter legte im
ersten Quartal dieses Jahres nochmals um 30 Prozent zu. Doch worin
liegt das Erfolgsgeheimnis von LTur? Für Andreas Kindlimann,
LTur-Chef Schweiz, ist das keine Frage. Für ihn ist klar: «Einen
grossen Vorteil verschafft uns ganz klar Bubi», sagt er stolz. «Bubi»
ist das Buchungssystem von LTur, ist eine «Inhouse»-Eigenentwicklung
und steht für «Buchen über BTX und ISDN». Bubi wurde vor 18 Jahren
lanciert und wird seitdem stetig weiterentwickelt. Der Name sei zwar
durch die rasante Technologie-Entwicklung veraltet, sei aber trotzdem
beibehalten worden, erklärt Günther Zimmermann, LTur-Agenturleiter in
Baden-Baden, bei einer Demonstration des Systems.
Über Bubi haben die LTur-Mitarbeiter direkten Zugriff auf rund drei
bis vier Millionen Angebote. Über die Benutzeroberfläche von Bubi
können Angebote flexibel und nach diversen Kriterien selektioniert
werden sei es nach gewünschter Aufenthaltsdauer, einer präferierten
Destination, dem Preis oder gar nach der Temperatur vor Ort. LTur
verfügt über direkte Schnittstellen zu beispielsweise Condor,
Lufthansa, Air Berlin oder Dorint. Der jüngste Partner sind die
Intercontinental Hotels mit 370 Häusern. Insgesamt verfügt LTur über
rund 10000 Hotelpartner, 130 Airlines sowie 65 Incoming-Agenturen als
Partner.
Sind die Wünsche des Kunden dann einmal in die Suchmaske von Bubi
eingespeist, werden die Angebote in Sekundenschnelle präsentiert. «Der
Prozess vom Einkauf bis zum Verkauf ist innerhalb von 15 Minuten
möglich», erklärt Kindlimann die Flexibilität des Systems. Die
Buchungsbestätigung erhält der Kunde dann per Mail. In einem PDF sind
alle relevanten Informationen inklusive Bebilderung des Angebots
aufgeführt. Auf Kataloge wird bei LTur gänzlich verzichtet.
Kindlimann: «Nicht verzichten könnten wir auf den Angebotsaushang im
Schaufenster.» Denn die Laufkundschaft mache doch einen beträchtlichen
Teil der Buchungen aus.
Ein definiertes Ziel von LTur ist es, günstiger zu sein als die
Konkurrenz. Das wird erreicht, indem Restplätze oder Flüge angeboten
werden, die andere Reiseanbieter oder Airlines nicht mehr verkaufen
können. Auch arbeitet LTur mit Agenturen vor Ort zusammen. Die
Philosophie des Last-Minute-Anbieters scheint aufzugehen: «Unsere
Umsatzrendite ist sehr gut. Ich kenne nur ein Reiseunternehmen, bei dem
diese besser ist als bei uns und das ist Ryanair», schmunzelt
Kindlimann.
LTur ist noch immer ein mehrheitlich autonomes Unternehmen. So ist
LTur unter den TUI-Beteiligungen die einzige Firma, an der TUI keine
Mehrheitsbeteiligung hat (46 Prozent). Noch immer hält der Gründer und
Vorstandsvorsitzende Karlheinz Kögel seine Anteile bei 44 Prozent.
Weitere zehn Prozent gehören Thomas Cook. Das Unternehmen verzeichnet
jährlich rund 850000 Kunden.
Mirjam Panzer/Simon Benz, Baden-Baden
LTur: Seit 20 Jahren in der Schweiz
Insgesamt hat LTur 165 Shops in Deutschland (135), Österreich
(10), Frankreich (5), Niederlande (2) und der Schweiz (12). Gegründet
wurde das Unternehmen 1987. Der erste LTur Shop in der Schweiz wurde
1988 in Basel an der Spiegelgasse eröffnet. Insgesamt gibt es 2008 drei
weitere Shop-Eröffnungen in der Schweiz. Zwei davon, in Freiburg und
St.Gallen, sind bereits eröffnet. Im August eröffnet ein weiterer Shop
in Luzern. Zwei weitere sind in Winterthur und Basel auf kommendes Jahr
geplant. Der bisher bestehende Shop im Zürcher Seefeld besteht noch bis
2010. Danach heisst es umziehen, da die Lokalität andersweitig
verwendet wird.
Wo sich die Agentur in Zürich aber künftig befinden wird, ist bis anhin noch unklar.
Auch in der Schweiz hat LTur drei Flughafenshops: in Kloten, Basel und
Genf. Insgesamt werden beim Last-Minute-Anbieter rund 20 Prozent der
Reisen über die Flughafenbüros verkauft.
80 Prozent generieren die Städtebüros.
50 Prozent der Schweizer LTur-Kunden sind zwischen 20 und 39 Jahre
alt. Dies mit einem überdurchschnittlich hohen Single-Anteil von 32
Prozent. Bei den Schweizern zeichnet sich weiter ein Trend zu
hochwertigen Reisen ab. Nicht weniger als zwei Drittel der Schweizer
LTur-Kunden buchen ein Hotel im Vier- oder FünfSterne-Segment. In den
Städteshops buchen Herr und Frau Schweizer rund ein bis zwei Wochen vor
der Abreise; in den Flughafenshops gar ein bis zwei Tage vor der
Abreise.
MIP/BNZ



