Es gibt praktisch nur Verlierer (Ausgabe 2008-07)

Chris Probst über die GDS-Gebühren von Swiss/Lufthansa

Die geplante Distributionsstruktur von Swiss (LX) und Lufthansa (LH)
mit GDS-Gebühren findet in der Reisebranche kein Verständnis. Die
Reaktionen sind heftig und teilweise weit unter der Gürtellinie. Es ist
verständlich, dass sich die Reisebüros wehren. Allerdings sollte dies
trotz Frust auf einem anständigen Niveau passieren, so wie es bei den
meisten Reaktionen der Fall war.

Swiss offeriert den Reisebüros also einen Ver-trag für Vorzugspreise.
Verträge sind immer dann schlechte Mittel für die Geschäftsbeziehung,
wenn es mehr Verlierer als Gewinner gibt. Wenn LX/LH ihr Projekt mit
GDS-Gebühren durchziehen, gibt es praktisch nur Verlierer.

Verlierer I: Reisebüros. Bei Akzeptanz des Vertrags bezahlen sie dafür,
dass sie mithelfen, die Flugzeuge zu füllen. Oder sie geben die
Mehrkosten weiter an die Konsumenten. Es entsteht ihnen Mehrarbeit
durch eine viel zu aufwendige Administration wegen der Verrechnung der
GDS-Kosten. Alternative Buchungen über das geplante Online-Tool der
Swiss wären steinzeitlich und für kaum ein Reisebüro akzeptabel.

Verlierer II: GDS. Sie werden in ihrer Bemühung um Full Content
zurückgebunden. Die günstigsten Tarife von LX und LH wären aufgrund der
zusätzlich anfallenden Gebühren effektiv nicht mehr in den GDS zu
buchen. Zusätzlich kommen die GDS unter Druck der Reisebüros.

Verlierer III: Konsumenten. Sie bezahlen höhere Tarife, da es sich kaum
ein Reisebüro – und auch kein Portal – leisten kann, die GDS-Gebühren
von CHF 8 pro Segment nicht weiterzuverrechnen.

Verlierer IV: LX und LH. Trotz tieferen Vertriebskosten verlieren die
Airlines unter dem Strich. Sie werden in vielen Reisebüros nicht mehr
mit Priorität verkauft. Noch schlimmer sieht es bei den
Internet-Portalen aus: Dort rutschen die Flüge in den Displays
automatisch nach unten, weil der Preis so oder so höher wird (entweder
GDS-Gebühren oder höhere Tarife). Zusätzlich entstehen der Swiss
Kosten, wenn sie tatsächlich ein eigenes Agenten-Portal implementieren
will.

Es muss also andere Lösungen geben. Die GDS stehen unter Druck und
müssen wohl ihre Segmentgebühren senken oder etwa nur geflogene
Segmente verrechnen. LX/LH sollten versuchen, mit der Reisebranche eine
andere Art von Zusammenarbeit zu finden. Wie wäre es mit einem
Bonus-Malus-System, bei dem nur schwarze Schafe, die unnötig hohe
Vertriebskosten verursachen, bestraft werden?