Wer kennt es nicht, das Bangen vor langen Flügen, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Werden sie ruhig bleiben? Wird das Baby den Druckausgleich schaffen? Habe ich genügend Spiele und Sondernahrung dabei?
Für fliegende Familien haben Airlines in letzter Zeit herzlich wenig gemacht. Eher kursierten News, wonach in Flugzeugen «kinderlose Zonen» eingerichtet werden, oder wonach Kinder ganz aus der Business Class verbannt werden. Diverse Facebook-Gruppen fordern gar völlig kinderfreie Flüge notfalls gegen Aufpreis.
Etihad Airways hat sich für eine andere Strategie entschieden, die weniger auf Verbote und mehr auf Service setzt. Seit September 2013 hat sie auf all ihren Langstreckenflügen nämlich eine «Flying Nanny» dabei. Diese sind mit einer grell-orangen Schürze leicht erkennbar und nicht einfach abkommandierte Stewardessen, sondern aktuell rund 500 speziell für Kinderbetreuung ausgebildete Flugbegleiterinnen. Ausgebildet wurden diese am Norland College, welches Schwerpunkte auf Kindspsychologie und -soziologie legt. So sollen die Nannys unterschiedliche Verhaltensmuster erkennen und gezielt Familien unterstützen können.
An Bord eines A330 von Etihad Airways erklärt Valerie, eine der Flying Nannys: «Wenn gerade wenig los ist, nehmen wir einige der älteren Kinder in der Galley zusammen und machen mit ihnen Spiele, basteln, zeichnen, machen Origami oder lehren sie Zaubertricks. So können die Eltern auch mal etwas ausspannen oder schlafen.» Reservieren muss man die Dienste nicht. Die Nanny ist über alle Kinder an Bord im Bild, nimmt vor Flugbeginn mit den Eltern schon Kontakt auf und macht sich ein Bild über deren Bedürfnisse und Wünsche in Bezug auf die Kinder. Sie unterscheidet bei der Betreuung übrigens nicht zwischen Economy und Business oder First. Kinder sind ohnehin in allen Klassen willkommen.
Um den Aufenthalt von Beginn weg angenehm zu machen, werden Rucksäckchen mit Spielen, Strohhalmen, Stickern und mehr verteilt. Mit den Stickern und speziellen «Handsocken» lassen sich lustige Figuren einfach basteln. Die Bordmenüs ihrerseits werden möglichst früh serviert und sind für Mädchen und Knaben unterschiedlich nicht das Essen, aber die Verpackung. Für die ganz Kleinen gibt es einen gemütlichen «Baby Cot» mitsamt Plüschtieren und Babynahrung von Hipp.
Gegen Ende des Flugs hilft die Nanny den Eltern mit Informationen sie erklärt zum Beispiel, wo es am Flughafen in Abu Dhabi Wickelmöglichkeiten oder, bei längeren Stopovers, Kinderzonen hat, und erklärt den kürzesten Weg zum nächsten Gate. Im Übrigen sind auch die Premium Lounges mit Kinderzonen ausgestattet. Ausserdem werden Milchfläschchen für den nächsten Flug aufgefüllt und Wasser, Früchte und Snacks für die Kinder verteilt.
Bisher werden die Dienste der Nanny laut Valerie geschätzt und rege in Anspruch genommen. Aubrey Tiedt (VP Guest Services, Etihad) erklärt hierzu: «Die Flying Nanny zeigt, dass wir die Bedürfnisse der fliegenden Familien erkannt haben und dass uns daran gelegen ist, sämtlichen Passagieren einen möglichst angenehmen Flug zu ermöglichen.»
Jean-Claude Raemy



