Wenn die Expedia-Gruppe im nächsten Jahr wirklich ihre Online Travel Agency (OTA) Expedia.com in die Schweiz bringt, tritt ein Schwergewicht in den Markt ein. Gemäss eigenen Angaben ist es das grösste Online-Reisebüro der Welt, und Aussagen wie «Wir wollen in jedem Markt, in dem wir aktiv sind, die Nummer eins oder zwei sein» lassen wenig Zweifel daran aufkommen, dass Expedia mit der grossen Kelle anrühren wird, wie sie es in der Schweiz heute schon mit Hotels.com tut.
Dass es eine grosse Kelle braucht, um im Online-Markt etwas bewegen zu können, ist spätestens seit dem missglückten Experiment Etrips.ch von TUI Suisse allen klar. Etrips.ch scheiterte an den immensen Marketingausgaben, die die Positionierung einer neuen Marke verschlingt. Man erinnere sich an die Zeiten, als Ebookers neu in der Schweiz auftrat: Über Jahre hinweg -waren die charakteristischen Gedankenblasen mit den Spezialangeboten in praktisch jeder Zeitung und an jedem Strassenrand anzutreffen.
Im Fall von Expedia ist das Geld definitiv vorhanden. Im letzten Jahr resultierte bei einem Umsatz von USD 3,5Mia. ein operatives Ergebnis von USD 480 Mio. Aus-serdem ist die Marke Expedia den meisten Schweizern zumindest dem Namen nach schon etwas vertraut, und sei es nur aus der Werbung im deutschen Fernsehen.
Was bedeutet dies für den Schweizer Markt der Online Travel Agencies? Hier muss angemerkt werden, dass dieser Markt gar nicht so genau umrissen wer-den kann. Nebst den klassischen Schweizer OTAs wie Travel.ch und den ausländischen OTAs wie Ebookers oder Ab-in-den–Urlaub.ch gibt es auch diverse stationäre Reisebüros, die ihre Homepages zu einer OTA ausgebaut haben, etwa das Reisebüro Sonnenberg mit Reisehit.ch oder Traveller/Hauger mit Webtravel.ch. Sowieso wird das Genre immer stärker verwässert: Veranstalter lassen Fremdcontent in ihrem Dynamic Packaging zu, Airlines und Flugbuchungsportale schalten Hotels und Miet-wagen dazu, Hotelbewertungsportale werden zu Hotelbuchungsportalen.
Dennoch: Viele wirklich grosse Player gibt es noch nicht im Schweizer OTA-Markt. Die Frage, ob es Platz für einen weiteren hat, ist hinfällig es ist klar, dass die Schweizer Reisebranche zurzeit eigentlich keine neue Konkurrenz verträgt, und genauso klar ist, dass die neue Konkurrenz trotzdem einen Platz finden wird. Die entscheidenden Faktoren im Online-Geschäft sind nach wie vor der Preis und die Suchmaschinenoptimierung bei beiden Faktoren wird sich Expedia zu behaupten wissen.



