Drei Tage vor dem Spiel noch Tickets für das Champions-League-Finale in München organisieren? Eintrittskarten für den Super Bowl, die wohl am schwierigsten erhältlichen Sporttickets der Welt? Stefan Faltin hat alle Wünsche der Sportfans schon gehört, und die allermeisten kann er erfüllen. «Zu 99% sind die Anfragen realisierbar. Es ist dann halt preisabhängig», sagt der deutsche Geschäftsmann.
Im März dieses Jahres hat er seinen eigenen Veranstalter Faltin Travel mit Sitz in Dietikon eröffnet. Ein Anfänger im Bereich der Sport-events ist er deswegen nicht zehn Jahre lang arbeitete er für den deutschen Sportreiseveranstalter Voss & Votava. Dort sah er für sich nun keine Zukunft mehr , verliess deshalb Deutsch-land und gründete mit seinem Schwager, dem Meilemer Investor Philippe Tobler, einen neuen Veranstalter.
Tobler brachte das Geld, Faltin die Kontakte ein hervorragendes Netzwerk ist im Sportreisegeschäft das A und O. Das Wort «Schwarzmarkt» will er aber nicht hören: «Von Ebay und dergleichen lasse ich die Finger, das ist viel zu unsicher. Ich habe Kontakte zu sehr zu-verlässigen Vermarktern. Es muss alles immer zu hundert Prozent klappen, sonst wäre der Imageschaden für Faltin Travel enorm.»
Natürlich seien bei spe-ziellen oder kurzfristigen Anfragen die Preise deutlich höher als die offiziellen Ticketpreise. «Das ist ein Markt mit Angebot und Nachfrage. Und wir bieten den Kunden eine Möglichkeit, an einem Anlass dabei zu sein, die sie sonst nicht hätten», erklärt Faltin. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass es in der Branche schwarze Schafe gebe, Veranstalter mit sogenannten «Leerverkäufen», die also Tickets verkaufen, bevor sie sie überhaupt haben.
Faltin selber hält nicht viel von Kontingenten und vorgefertigten Angeboten; meist wird er erst auf An-frage aktiv. Auch bietet er keine fertig geschnürten Pakete an, sondern operiert im Baukastensystem. Das führt dazu, dass auf der Homepage vor allem «Denkanstösse» ohne Preise zu finden sind, die dann nach Belieben und auf Anfrage ergänzt werden können. Dabei darf auch das Rahmenprogramm etwas speziell ausfallen. «Beispielsweise organisierten wir für eine Gruppe eine Reise nach München zum Champions-League-Finale, und anschlies-send verschafften wir ihr Zutritt zur Promi-Disco P1, in die man sonst als Normal-sterblicher kaum hineinkommt», erzählt Faltin.
Man merkt: Vieles spielt sich bei Faltin Travel im High-End- und VIP-Bereich
ab. Daneben organisiert der Veranstalter aber auch ganz normale Reisen, etwa Tickets für ein englisches Premier-League-Spiel mit Mittelklasshotel und Billig-airline. Neben Sportveranstaltungen stehen noch weitere Events im Angebot, etwa Konzerte oder Kulturanlässe.
Viele Angebote fokussieren noch ziemlich stark auf Deutschland, gerade was
die «Specials» am Rand der Events angeht. Rund die Hälfte der Faltin-Kunden stammt aus Deutschland, die andere Hälfte aus der Schweiz. «Wir müssen uns hier natürlich erst mal im Markt platzieren, und wir wollen dies nicht mit ag-gressiver Werbung bewerkstelligen», sagt Faltin.
Er sei aber überzeugt, dass es in diesem Markt in der Schweiz noch Platz für einen weiteren Veranstalter habe. «Unser Produkt unterscheidet sich ja ziemlich stark von den Mitbewerbern. Wir werden uns gegenseitig nicht wehtun», meint er
diplomatisch. Zudem hofft er, in Zukunft noch weitere Quellmärkte zu erschliessen etwa den japanischen via Incoming-Agenturen in der Schweiz und Deutschland.
Im Vertrieb setzt der Veranstalter aber in erster Linie auf die eigene Homepage. Faltin Travel soll aber auch im Trade bekannt werden und gewährt für Reisebüros 8% Kommission ab der ersten Buchung, ohne dass ein Agenturvertrag nötig ist. Eine Mitgliedschaft im Garantiefonds der Schweizer Reisebranche ist laut Faltin in Entstehung.
Kataloge oder fixe Preise wird es nicht geben. «Dafür ist das ganze Sportevent-
und Ticketgeschäft viel zu schnelllebig», erklärt Faltin. Eine Schnelllebigkeit, in der er sich sichtlich wohlfühlt.
Incentives als weiteres Standbein
Von der massgeschneiderten Lösung bis zur Organisation von eigenen Events ist es für -Stefan Faltin nur ein kleiner Schritt. Faltin Travel bietet deshalb auch Incentive-Reisen für Unternehmen an. «Das kann beispielsweise ebenfalls ein Besuch eines Fussballspiels sein, und im Anschluss veranstalten wir im Hotel einen Abend mit Promi-Moderatoren oder ehemaligen Fussballspielern», erklärt Faltin. Auch hier lässt er wieder seine Kontakte -spielen und bietet Gäste wie etwa den früheren deutschen Nationalspieler Paul Breitner oder Fussball-Promi Reiner Calmund auf.



