Seit Juli ist Gian-Reto Bauder Geschäftsführer des Reisebüros Trottomundo im Zürcher Niederdorf, welches seit letztem Jahr Teil der Reisebüro Hauger AG von Iwan Berger geworden ist. Nach einer umfassenden Renovation des Büros setzt das Duo Bauder/Berger nun zum nächsten Schritt an: Ein neues, flexibles Beschäftigungsmodell, das auf viel Interesse stossen dürfte.
Konkret sucht Trottomundo neue Mitarbeitende. Den Interessenten stehen drei Anstellungs-modelle zur Auswahl. Nebst dem herkömmlichen Vollzeit-/Teilzeit-Job kann man auch als Freelancer zur «Fernweh-Praxis» stossen, wie es Bauder nennt: Man arbeitet selbständig und verdient an jeder Buchung, kann aber auch Kundentermine im Büro von Trottomundo wahrnehmen und wird bei Abwesenheit vertreten.
Für die Kostendeckung muss man ein kleines «Startpaket» bezahlen; dieses wird ab einem festgelegten Umsatz rückvergütet. Dieses Modell ist für jene geeignet, die einen grossen eigenen Kundenstamm mitbringen.
Richtig fortschrittlich ist aber das Modell «Teilzeit + Freelance»: Hierbei arbeitet man in Teilzeit bis max. 60% bei Trottomundo im Büro. Hat man von Trottomundo vorgelegte Gewinnziele (nicht zu verwechseln mit Umsatzzielen) erreicht, wird man am Gewinnüberschuss beteiligt. Hierzu ein rechnerisches Beispiel: Eine Person mit 50%-Anstellung erzielt einen Gewinn von z.B. 13% auf den generierten Umsatz. Wird das Gewinnziel erreicht, wird auf den überschüssigen Umsatz beim Gewinn nur noch 5% an Trottomundo abgeliefert, während die restlichen 8% direkt in die eigene Tasche wandern.
Allerdings entfallen da Überstundenkompensationen, d.h. wer von zuhause aus ausserhalb der vereinbarten Arbeitszeit weiterarbeitet, darf dies natürlich tun, aber am Grundsalär ändert sich nichts. «Damit schaffen wir ein Anreizsystem, bei welchem sich auch wirklich etwas verdienen lässt», erklärt Bauder.
Während solche Modelle für Quereinsteiger kaum geeignet sind, bieten sie für etablierte Branchenprofis mit Wunsch nach mehr Flexibilität und Unabhängigkeit gute Möglichkeiten: Sicheres Grundeinkommen, Einbettung in ein Team, bestehende Infrastruktur (Trottomundo arbeitet mit Galileo und Jack), keine Marketingkosten und wenig administrativer Aufwand.
Beim zusätzlichen Verdienst kommt Trottomundo allerdings nicht für die Sozialabgaben auf Arbeitgeberseite auf. «Das Modell trägt für uns ein gewisses Risiko», versichert Bauder, «falls nämlich die neuen Angestellten keinen finanziellen Mehrwert für uns schaffen können.» Man werde deshalb die Kandidaten gut überprüfen. Die Ziele seien nebst der Gewinnverbesserung und der Bindung von Talenten auch, mehr Kunden ins Etagenbüro zu locken und den Namen Trottomundo wieder breiter zu verankern.
Jean-Claude Raemy



