Flughafen Bern: mehr Airlines, mehr Destinationen, mehr TOs (Ausgabe 2011-06)

Die Entwicklung im Jahr 2011 wird als Quantensprung bezeichnet.

Passagierrückgang von 6%, dafür eine höhere Auslastung der Flüge, «schwarze Null» statt Verlust wie im Vorjahr: So kann 2010 für den Flughafen Bern-Belp kurz zusammengefasst werden. 

Zu den Gründen für den Rückgang der Passagiere meint Mathias Häberli, Direktor der Flughafenbetreibergesellschaft Alpar: «Ab Februar wurde Bern– München mit einer kleineren Maschine geflogen. Im Frühling waren wir mit den Auswirkungen des Vulkanausbruchs konfrontiert und haben dadurch rund 2000 Passagiere ‹verloren›. Später kamen die Probleme in Griechenland dazu und ein Passagierrückgang nach Tunesien in der Zeit der Probleme mit Libyen. Auch die Pannenserie der Skywork-Dash hat uns betroffen.»

Daniel Steffen, Leiter Marketing, Kommunikation und Streckennetz, ergänzt: «Ohne diese Faktoren hätten wir im vergangenen Jahr ein Passagierplus von rund 8% gehabt. 2010 hat uns sehr gut aufgezeigt, dass wir unser Portfolio verbreitern müssen, damit wir für die Passagiere ab Bern genügend Alternativen zur Verfügung haben.»

Trotz Passagierminus wird die Alpar knapp schwarze Zahlen schreiben. «Alle Abgänge wurden nicht ersetzt, Prozesse zusammengelegt. Dies war nur möglich dank der hohen Bereitschaft aller Mitarbeitenden. So und durch überlegte Investitionen kamen wir zu einem Teilerfolg, stehen aber nun vor grossen Herausforderungen», so Häberli.

Diese Herausforderungen haben mit einem massiven Ausbau der Flugverbindungen zu tun. Bern-Belp bietet in diesem Jahr 24 Destinationen mit acht Airlines an – das umfangreichste Streckenangebot in der Geschichte. Flüge gibt es mit Air France, Cirrus Airlines, Darwin Airline, Helvetic Airways, Lufthansa, Skywork, Intersky und OLT. Die Alpar rechnet mit 160000 Passagieren bei 58000 Flugbewegungen, also einem Passagierplus von fast 60%.

Dass dies nicht einfach wird, weiss auch Häberli: «Gefordert sind wir auf allen Ebenen: Marketing, Ground Services und Infrastruktur. Beispielsweise die Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden ist nicht einfach, da man in Bern nicht beliebig viele Avi-atiker findet. Die neu zu schaffenden zwölf Vollzeitstellen bei uns bedeuten eine Steigerung von 20%, und davor hat das Management Respekt. Es ist schöner zu expandieren, als sich zu verkleinern, aber das Ganze mit Respekt, denn das Wichtigste ist ein unfallfreier Betrieb.»

Das angestrebte Passagierplus sei realistisch, ist Häberli überzeugt, «aus-ser wenn irgendwo etwas passiert». Das Portfolio sei aber jetzt so gross, dass man bei Ausfall einer Destination nicht gleich alles über den Haufen werfen müsse. Kann denn die Infrastruktur 60% mehr Passagiere aufnehmen? «Das ist kein Problem. In Crossair- und Swisswings-Zeiten hatten wir ja knapp eine Viertelmillion Passagiere ab einem Provisorium. Ab 2012 werden dank des neuen Schengen-Terminals noch mehr Passagiere möglich sein. Alleine mit dem alten Terminal sind 400000 Pax möglich, mit dem erweiterten Terminal sogar 500000. Natürlich wird es auch einen weiteren Ausbau bei den Parkplätzen und Stellflächen für Flugzeuge geben müssen», sagt Häberli.

Als Quantensprung bezeichnen die beiden Airport Manager das Jahr 2011 auch, weil in alle Richtungen diversifiziert werden konnte. Steffen: «Wir haben heute nicht nur bei den Destinationen, sondern auch bei den Airlines und TOs eine grosse Palette, was einen richtigen Vertriebsboom ausgelöst hat. Ich freue mich riesig, dass nun verschiedene TOs, auch grosse wie Kuoni oder TUI Suisse, den Flughafen Bern-Belp wiederentdeckt haben.»

Chris Probst

Flughafen-Bus: Alpar strebt Taktfahrplan an

Der Airport-Bus zwischen Bahnhof und Flughafen Bern verkehrt je nach Wochentag anders und ist auf den Flugplan ausgerichtet. Mathias Häberli: «Wir streben aber klar einen Taktfahrplan an. Der Kanton Bern ist jetzt gefordert.» Ein Ärgernis für die Alpar ist auch die neue geplante Abfahrtshaltestelle (Chris-toffelgasse statt Bahnhofdach). «Damit sind wir überhaupt nicht zufrieden und haben dies auch beim Amt für öffentlichen Verkehr so deponiert», so der Flughafen-Direktor.

CP