Fragmentierter Badeferiensektor: Wildwuchs im Onlinebereich (Ausgabe 2014-09)

Der Schweizer Badeferienmarkt scheint stabil zu sein – doch viele mischen mit.

CHF 2,5 Mia. gross ist der Badeferienmarkt Schweiz gemäss diversen Aussagen und Schätzungen. Wie viel davon über die klassischen Veranstalter läuft, ist schwer zu sagen – die TOs halten sich bedeckt. Brancheninsider beziffern das Badeferiengeschäft sowohl bei Kuoni Schweiz als auch bei Hotelplan Suisse auf etwa CHF 180 Mio. Das wären bei Kuoni etwa ein Viertel des Schweiz-Umsatzes, bei Hotelplan sogar ein Drittel. Vor der Eurokrise 2011 und der damit verbundenen Crossborder-Problematik dürften die Frankenbeträge höher gewesen sein – Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann gab damals an, dass man im Badeferiengeschäft 10 bis 15% an ausländische TOs verloren habe.

Seither scheint der Markt aber stabil zu sein. «Bei etwa gleich grossem Umsatz konnten wir die Ertragskraft steigern», sagt TUI-Suisse-Sprecher Roland Schmid. Bei Hotelplan Suisse heisst es, dass der Anteil Badeferien am Gesamtgeschäft etwa stabil geblieben sei – das Gesamtgeschäft ist zwischen 2010 und 2012 aber um 15% gesunken. Kuoni konnte laut Sprecher Peter Brun in den letzten zwei bis drei Jahren sogar wieder Marktanteile gewinnen. «Es gibt aber heute mehr Absatzkanäle als noch vor fünf bis zehn Jahren: Online-Plattformen, FIT-Datenbanken etc. Das klassische Badeferiengeschäft ist stabil, das virtuelle Veranstaltergeschäft legt zu.»

Aus Kundensicht ist die Frage interessant, wer sich online im Badegeschäft tummelt. Ein einfaches Experiment – die Eingabe von «Badeferien Kanaren» in Google – zeigt, wie fragmentiert der Markt ist. Meist erscheinen Kuoni (inkl. Lastminute.ch und Helvetictours.ch), TUI (inkl. 1-2-Fly.ch) und Hotelplan (inkl. Migros-Ferien.ch und Travel.ch) zwar weit oben. Dazwischen mischen sich aber Holidaycheck und Anbieter wie Easy-Reisen aus Netstal, Reisehit.ch, Internetreisen.ch oder Gutereise.ch. Die Qualität lässt oft zu wünschen übrig – unübersichtliche Darstellung, keine direkte Buchungsmöglichkeit, fehlende Transparenz, welche Veranstalter hinter den Angeboten stehen.

Dort, wo die Transparenz gegeben ist, fällt dagegen deutlich auf: Deutsche Veranstalter stehen in der Regel zuoberst, wenn nach dem Preis sortiert wird. Bei Holidaycheck.ch etwa sieht der Kunde zuerst Vtours, Schauinsland oder XFTI. Portale wie Gutereise.ch oder Ferienfuchs.ch werben sogar mit den deutschen Veranstaltern. 

Die Schweizer Veranstalter lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen. «Ich denke, wir sind preislich dabei», sagt Tim Bachmann von Hotelplan, «im Gegensatz zu vielen OTA fahren wir aber einen Managed Approach: Wir bieten nur Hotels an, die zuvor von uns geprüft wurden. Bei einer Beispielabfrage auf Kayak.ch etwa kommt das billigste Angebot von Lastminute.de, wobei wir dieses Hotel bewusst nicht anbieten.» Sowohl bei Hotelplan Suisse als auch bei TUI Suisse ist der Umsatz über OTAs im Vergleich zum Umsatz über die eigenen Webseiten sehr gering. 

Stefan Jäggi und Jean-Claude Raemy