Frankenstärke deckt Strukturprobleme auf (Ausgabe 2011-25)

Jean-Claude Raemy zur WährungsProblematik

Währungsmanagement ist für international tätige Unternehmen wie Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter von grosser Bedeutung. Viele Dienstleistungen bzw. Produkte werden in diversen ausländischen Währungen eingekauft. Zwischen dem Einkauf der Währung, dem Einkauf des Produkts und dessen Verkauf – oft in einer anderen Währung – vergeht Zeit, während der Währungen schwanken.  

Aufgrund wachsender Marktvolumen, zunehmender Investitionen oder Beteiligungen im Ausland und einer seit der globalen Wirtschaftskrise erhöhten Volatilität der Wechselkurse kommt dem Währungsrisikomanagement noch grössere Bedeutung zu. Die Finanz-
verantwortlichen haben Instrumente, mit welchen sie Verlust- oder Gewinnpotenziale von Währungen prognostizieren können, und mit Hedging lässt sich Risikosteuerung effizient gestalten. In der Regel geht das ganz gut. Nun hat aber der Franken gegenüber den Einkaufswährungen Dollar und Euro so stark zugelegt, dass Hedging-Mechanismen bei Reiseveranstaltern nur bedingt helfen. Der starke Franken setzt die TOs nämlich mehrfach unter Druck.

Da die Einkaufspreise in Dollar oder Euro günstiger denn je sind, erwarten die Kunden tiefe Preise auch in der Schweiz. Zahlreiche Schweizer buchen bereits in der billigen Eurozone – obwohl die Preise der Schweizer TOs für zahlreiche Arrangements sehr weit unter den Vorjahrespreisen liegen. Die Schweizer TOs können aber aufgrund der lokalen Kostenstrukturen niemals so günstig anbieten wie die ausländische Konkurrenz. Die tiefen Preise setzen die Margen zusätzlich unter Druck. In Paxzahlen ausgedrückt liegen die TOs zwar über Vorjahr, beim Umsatz aber nicht. Und vom organischen Marktwachstum scheinen vor allem Unternehmen nördlich des Rheins zu profitieren. Denn moderne Technologie erlaubt sowohl dem Endkunden als auch dessen Reisebüro die problemlose Buchung von Produkten aus dem Ausland. Sollten sich Euro und Dollar – wider Erwarten – schnell erholen, könnten die TOs dem Markt zudem nicht plötzlich wieder deutlich höhere Preise aufdrücken.

Die aktuelle Lage zeigt, dass Währungsrisikosteuerung in der aktuellen Situation das Prob-lem nur teilweise lindert. Letztlich geht es da-rum, das gesamte Geschäft neu auszurichten – etwa, indem weniger Produkte und Volumina eingekauft werden, dafür mehr dynamische Anbindungen den Reiseverkauf erleichtern.