Die Schweizer Exportwirtschaft ächzt unter dem starken Franken, weil in der Schweiz produzierte Waren im Dollar- oder Euro-Raum abgesetzt werden müssen. Bei den Schweizer Reiseveranstaltern ist es zwar umgekehrt: Eingekauft wird viel in Dollar und Euro, abgesetzt praktisch nur in Franken. Das ist jedoch keineswegs so angenehm, wie es tönt.
«Die Auswirkung der Frankenstärke schlägt sich im Umsatz nieder, da die Angebotspreise nochmals stark gesunken sind», bringt es Daniel Bühlmann (CFO Hotelplan Suisse) auf den Punkt. Obwohl also Hotelplan beim aktuellen Buchungsstand der Passagierzahlen «im tiefen einstelligen Prozentbereich» im Plus liegt, wird der Gewinn wegen Preisnachlässen weggefressen.
Auch Markus Freund (CFO Kuoni Schweiz) weist zunächst auf die Kundenvorteile hin, welche der günstigere Einkauf von Leistungen im Ausland sowie günstigere Ausgaben vor Ort ermöglichen. Dadurch liegt auch Kuoni bei den Pax im Plus. Das Problem entsteht indirekt: «Gerade die Reisebüros entlang der Schweizer Grenze sind durch Crossborder-Einkäufe besonders herausgefordert.» Seit Wochen wird immer intensiver jenseits der Grenze gebucht. Der Branche entgehen dadurch Millionenbeträge.
Rainer Schenkel (CFO TUI Suisse) rechnet nach: «Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Preise diesen Sommer je nach Reisezeit um bis zu 30% tiefer.» Er bemerkt zudem: «Je nach Arrangement fallen 50 bis 60% der Einstandskosten in Schweizer Franken an. Wir handeln für zusätzliche Kapazitäten laufend neue Konditionen aus.»
Probleme ergeben sich auch aus dem Hedging: Die Stärke des Frankens ist dann problematisch, wenn sich diese schnell abspielt und die Reiseunternehmen den Euro-Bedarf bereits abgesichert haben, zu ungünstigen Konditionen. Die grossen Touroperators sind gezwungen, mit komplizierten Finanzkonstrukten ihre Devisentermingeschäfte möglichst positiv zu gestalten.



