Freiwillige Zahlungen für eine gute Sache (Ausgabe 2007-32)

Hans-Rudolf Baumann zum Verkaufsboom bei Klimatickets

Das in den letzten Jahren mitunter verrückt spielende Wetter, die sich mehrenden Naturkatastrophen und die alarmierenden Berichte der UNO-Spezialorganisation Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben in weiten Bevölkerungskreisen zu einer neuen Haltung in Bezug auf das Phänomen «Klimawandel» geführt.

Darauf deuten zumindest die sprunghaft gestiegenen Verkäufe sogenannter Klimatickets hin, welche die Klimaschutzorganisation Myclimate verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2006 wurden pro Monat etwa 300 solche Tickets verkauft, dieses Jahr hat sich die Verkaufszahl auf mehr als 1200 pro Monat vervierfacht.

Die Menge der verkauften CO2-Kompensationen schnellte von etwa 4000 Tonnen im Jahr 2004 innert zweier Jahre hinauf auf 40000 Tonnen – und nach dem für 2007 erwarteten Ergebnis befragt, meldet Myclimate «Einige hunderttausend Tonnen».

Diese an sich erfreuliche Entwicklung stellt aber für die Klimaschutzorganisationen eine riesige Herausforderung dar. Myclimate zum Beispiel muss es schleunigst gelingen, den Status des ETH-Spinoffs hinter sich zu lassen und zu einer absolut professionellen, vielleicht sogar gewinnorientiert arbeitenden Managementorganisation zu werden. Nur so ist zu gewährleisten, dass die gegenwärtig reichlich fliessenden «Klima-Franken» auch innert kurzer Zeit in qualitativ hochstehende Projekte zum Einsatz von erneuerbaren Energien und energieeffizienter Technologien investiert werden.

Weniger dringend, aber ebenfalls wünschenswert wäre es, wenn sich die führenden Klimaschutzorganisationen auf gewisse Mindeststandards bezüglich Ermittlung der erzeugten Schadstoffmengen einigen könnten. Denn die aufgeklärten und wissbegierigen Klimaticket-Kunden – und das sind wohl fast alle – werden ihre Stirne in Falten legen, wenn sie für einen Flug bei verschiedenen Anbietern weit auseinander liegende Schadstoffwerte finden.

Hier einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist wesentlich wichtiger als die Kompensationskosten zu vereinheitlichen. Denn wer freiwillige Zahlungen für eine gute Sache leistet, wird weniger auf den Preis als auf die Qualität der angebotenen Dienstleistungen und die Nachhaltigkeit der Erfolge schauen.