Bis Mitte September lief die Ausschreibung für den neuen Direktor des
Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Nun liegt es an Bundesrat Moritz
Leuenberger, die richtige Wahl zu treffen. Der bisherige Amtsdirektor
Raymond Cron hat per Ende November gekündigt, weil er in Zukunft wieder
als Baufachmann in die lukrativeren Dienste des ägyptischen Investors
Samih Sawiris tritt. Dieser Entscheid ist nachvollziehbar: Verdient er
in der Privatwirtschaft wohl einiges mehr als beim Bund und muss sich
dafür erst noch viel weniger exponieren. Zudem wird damit auch ein
Schlussstrich unter den Zustand gezogen, dass ein strafrechtlich
Verurteilter an der Spitze eines Bundesamtes wirkt.
Doch wer folgt auf Raymond Cron? In der Schweizer Luftfahrtbranche
sorgt man sich, dass es zu einer längeren Übergangsphase kommen könnte
und wichtige Dossiers liegen bleiben. Das Anforderungsprofil für den
neuen Bazl-Direktor ist äusserst anspruchsvoll. Die Entlöhnung dagegen
verglichen mit der Privatwirtschaft und unter Einbezug der
Exponiertheit in der Öffentlichkeit wohl eher bescheiden. Zudem muss
der neue Bazl-Direktor unter Bundesrat Moritz Leuenberger wirken, der
ja gelinde gesagt kein ausgesprochener Anhänger der Luftfahrt ist.
Ein Branchenfremder hätte den Vorteil, dass er nicht mit einer Sparte
der Schweizer Luftfahrt verbandelt ist, ihm mangelt es möglicherweise
aber an Fachwissen. Doch Raymond Cron hat bewiesen, wie schnell sich
ein Nicht-Aviatiker in die Dossiers einarbeiten kann.
Und auf den neuen Bazl-Direktor warten äusserst heikle Aufgaben: Die
Volksabstimmung über die künftige Verwendung der Mineralölsteuer aus
der schweizerischen Luftfahrt (heute fliessen diese rund 60 Millionen
pro Jahr in die Bundeskasse) wird ihn beschäftigen. Ebenso der
unsägliche Streit mit Deutschland über den Flughafen Zürich. Aber auch
die unhaltbar steigenden Kosten in der Luftfahrt und die
Sicherheitshysterie werden dem Cron-Nachfolger viel Arbeit bereiten.
Gesucht wird nicht einfach ein Direktor für ein Bundesamt, sondern ein
Superman!



