Gibt es noch eine Rettung für die DHF? (Ausgabe 2006-49)

Chris Probst über die geplante Detailhandels-Ausbildung

Nun liegen die Fakten auf dem Tisch. Der SRV und das zuständige Bundesamt in Bern haben sich getroffen und die strittigen Punkte bei der Einführung der Detailhandels-Lehre (DHF) konkretisiert. Es sei ein gutes, konstruktives
Gespräch gewesen, betont man beim SRV. Aber wie hoch sind die Chancen, dass es in der Reisebranche je Detailhandels-Lernende geben wird? Wohl sehr tief.

Zwar hat das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) eingewilligt, dass die KV-Klassen und die DHF-Klassen in der Branchenausbildung zusammengelegt werden dürfen und damit der Umfang an Branchenkunde bei beiden Ausbildungszweigen gleich gross wäre – das war’s aber schon an Nachbesserungen, die der SRV erreichen konnte. Mehr war aufgrund der komplexen föderalistischen Gesetzgebung in der Ausbildung auch nicht zu erwarten.

Weitere gesetzliche Auflagen, die der SRV bei einer DHF-Einführung beachten muss, dürften die Detailhandels-Ausbildung zum Scheitern bringen. Die Branchenausbildung bei der neuen kaufmännischen Grundbildung (NKG)
funktioniert einwandfrei, und es stecken viele Planungsdetails im reibungslosen Ablauf der überbetrieblichen Kurse (üK). Dadurch ist es sehr unwahrscheinlich, dass die NKG-üK an die Vorgaben der DHF angepasst werden. Der SRV und auch die regionalen Vereinigungen haben kaum ein Interesse, die NKG zu gefährden, indem dort die Branchenausbildung in jedem Kanton organisatorisch umgekrempelt wird.

Eine weitere gesetzliche Voraussetzung für die DHF-Einführung betrifft die Prüfungsrelevanz. Bei der bisherigen Planung war immer die Rede davon, dass die Branchenausbildung bei beiden Ausbildungen identisch sein muss. Würden aber bei den DHF-Absolventen weniger als 40% des unterrichteten Stoffs geprüft, weil das Gesetz nur 90 Lektionen als Prüfungsstoff zulässt, könnte davon keine Rede mehr sein. Ganz abgesehen von den organisatorischen
Erschwernissen, denn statt am Ende der Ausbildung müssten die DHF-Lernenden in drei Blöcken mit Zwischennoten geprüft werden.

Es sieht also nicht gut aus für die von der SRV-GV 2005 so klar angenommene Detailhandels-Ausbildung. Hätte der SRV dieses Gespräch mit dem BBT statt vor drei Tagen bereits in einer viel früheren Planungsphase geführt, wäre die DHF-Vorlage wohl gar nicht zur Abstimmung gelangt oder dann von der SRV-GV im letzten Jahr abgelehnt worden.