Gleiches Spiel, andere Taktik (Ausgabe 2010-14)

Simon Benz über die neuen Airlines im Sommerflugplan 2010

Jedes Jahr präsentieren Fluggesellschaften und TOs zwei Mal ihre
saisonalen Flugverbindungen und jedes Mal gestaltet sich die Taktik
anders. Für den aktuellen Sommerflugplan 2010 haben die Veranstalter
verhaltener eingekauft als auch schon – das Risiko überschaubar halten,
ist die Devise. Darum erstaunt es auf den ersten Blick umso mehr, dass
M-Travel Switzerland mit den neuen Airlines Viking und Koral Blue im
Vollcharter-Betrieb startet.

Dank dem Verkauf der Belair-Anteile der Hotelplan Holding Ende Oktober
letzten Jahres geniesst MTCH heute deutlich mehr Freiheiten. Dabei
spielt die betriebswirtschaftliche Komponente eine wichtige Rolle. MTCH
hat sich u. a. auf Kosten von Air-Berlin-Kontingenten zwei günstiger
produzierende Airlines aus dem Ausland geholt. Für denselben Betrag,
welcher der Veranstalter für die Vollcharter aufwenden muss, hätte er
deutlich weniger Sitzplätze bei einer der Schweizer Fluggesellschaften
erhalten. Dadurch, dass MTCH in diesem Sommer günstiger fliegt als
früher, dürfte der Spielraum grösser und das Polster etwas dicker sein,
um allfällige Auslastungsdürren zu verkraften. Kleineres Risiko durch
tiefere Preise.

Weniger optimistisch betrachten die Schweizer Airlines die neu unter
MTCH-Flagge operierenden Mitbewerber. Für die Sommersaison sieht die
Buchungslage bei Air Berlin und Edelweiss Air laut den Verantwortlichen
zufriedenstellend aus. Vor allem der Air Berlin, die seit Ende März
2010 neun statt sechs Maschinen in der Schweiz stationiert hat, dürften
die Kontingente von MTCH längerfristig fehlen. 

Problematisch wird es für die Schweizer Airlines aber dann, wenn die
MTCH-Strategie mit den ausländischen Günstig-Carriern aufgeht und auch
in Zukunft verfolgt wird. Oder noch schlimmer – von den andern
Veranstaltern übernommen wird. Am Beispiel von Hello zeigt sich, was
passieren kann. MTCH berücksichtigt Hello nicht im Sommerflugplan, zu
attraktiv waren die ausländischen Angebote. Dass die Airline allenfalls
für Zusatzflüge infrage kommt, dürfte nur ein kleiner Trost sein.

Jedes Jahr beginnt die Flugplanung der Veranstalter von vorne und immer
wird eine scheinbar geeignete Taktik gewählt. Ob sich der Austausch der
Player von MTCH lohnt, zeigt sich in der nächsten
Bilanzmedienkonferenz, denn egal, welche Taktik man wählt, das Spiel
dauert immer bis zum Schlusspfiff.