In der Airline-Branche ist Bewegung. Wir erinnern uns an Prognosen aus den letzten Jahren: Es hiess, der Luftverkehr werde dereinst nur noch von einer Handvoll Carrier dominiert, welche die übrigen Airlines besitzen oder über «Allianzen unter Ungleichen» kontrollieren.
wie sieht es aus? Die Konsolidierung hält an, wobei weltweit immer noch über 240 grössere und zahllose kleinere Airlines am Markt sind. Wichtiger noch: Die grossen Allianzen, welche die Luftfahrt zu dominieren schienen, sind unter Druck geraten. Sind die globalen Allianzen das richtige Zukunftsmodell? Die jüngste Entwicklung mit der Annäherung von Etihad/Air Berlin an Air France, mit dem Deal zwischen Emirates und Qantas sowie der Oneworld-Aufnahme von Qatar Airways gab viel zu reden.
Doch der Reihe nach. Zunächst schloss Emirates ein Kooperationsabkommen mit Qantas ab und erhöhte daraufhin ihre Kapazität nach Australien deutlich. Neu wird auch Auckland angesteuert und nach Melbourne wird der A380 eingesetzt. British Airways, seit 17 Jahren Qantas-Partner auf der «Känguruh-Route» und mit Qantas in der Oneworld-Allianz verbunden, muss sich nach neuen Australien-Partnern umsehen.
Zwar hat sich Emirates nicht an Qantas beteiligt, es ist aber klar, wer hier den
Ton angibt: Die wachsende, starke Emirates hat sich die angeschlagene Qantas für optimale Verkehrswege nach Ozeanien im Rahmen eines Joint Venture geangelt. In Dubai wurde derweilen klar festgehalten, dass man weiterhin kein Interesse am Beitritt zu einer Allianz habe, weil man dort zu stark eingeschränkt wäre.
Die zweite grosse Golf-Airline, Etihad Airways, hat ein anderes Modell gewählt: Sie hat sich an mehreren Airlines beteiligt, darunter Air Berlin, und kürzlich ein weit gehendes Kooperationsabkommen mit Air France-KLM bekannt gegeben. Während einzelne darin eine Annäherung an die Skyteam-Allianz sahen, stellten andere die Frage: Was will eine Airline wie Etihad, welche derzeit über 40 Codeshare-Agreements weltweit unterhält, eigentlich in einer Allianz? Allein mit der Vereinbarung mit Air France-KLM erhält das europäische Airline-Konsortium via Abu Dhabi Zugang zu je fünf asiatischen und australischen Zielen, während die Golf-Airline Tickets via Paris oder Amsterdam zu zehn europäischen Städten verkaufen kann.
Und das ist wohl erst der Anfang. Ob es zum Skyteam-Beitrittsgesuch kommt oder nicht, wollte Etihad-Sprecher Tom Clarke nicht beantworten. Bleibt es bei einem Joint Venture wie jenem zwischen Emirates und Qantas? Möglich. Etihad hat aber auch die Mittel, um sich via Beteiligungen stärkere Positionen zu sichern; bislang ist Etihad an Air Berlin, Aer Lingus und Air Seychelles beteiligt.
Qatar Airways, der dritte grosse Golf-Carrier, hat als Erster den Weg gewählt, der die Aufnahme in eine Allianz vorsieht. Wenn alles planmässig verläuft, wird Qatar Airways innert der nächsten 18 Monate Oneworld beitreten. Inzwischen hat Akbar Al-Baker, CEO von Qatar Airways, nachgetreten und gesagt, Star Alliance wäre eine Option gewesen, was die «wettbewerbsfeindliche Haltung der Lufthansa» aber verhindert habe. Das ist insofern pikant, weil Lufthansa-CEO Christoph Franz inzwischen eine Allianz mit einem Golf-Carrier, welcher Form auch immer, nicht mehr ausschliesst.
Sicher ist: Waren die Golf-Carrier bisher erbitterte Konkurrenten der grossen Carrier Europas und Asiens, kommen sie nun aus der Isolation, was wegweisend für die Luftfahrtindustrie wird.
Die drei Stossrichtungen
Fusion/Kauf:
Bei der Übernahme (ganz oder teilweise) bestimmt der neue Eigentümer, bei der Fusion vereinen sich zwei Firmen meist ähnlicher Grösse freiwillig und definieren gemeinsam die Ziele.
Joint Venture:
Ein Joint Venture (JV) ist ein Partnerunternehmen von zwei oder mehr Firmen, welche rechtlich voneinander getrennt sind. Das Joint Venture agiert dabei als eine rechtlich selbstständige Geschäftseinheit, an welcher die Partnerfirmen beteiligt sind, wobei das JV unabhängig agieren kann und über eine eigene Geschäftsführung, einen Verwaltungsrat etc. verfügt.
Strategische Allianz:
Eine Partnerschaft zwischen zwei oder mehr Unternehmen, wobei die Unternehmen rechtlich unabhängig bleiben. Primär geht es darum, gemeinsam festgelegte Ziele zu erreichen, indem die unterschiedlichen Ressourcen im gegenseitigen Interesse eingesetzt werden.
Jean-Claude Raemy



