Grosses Angebot – K(l)eine Nachfrage (Ausgabe 2008-49)

Simon Benz über die Nachfrage von Last-Minute-Angeboten

In den Reisebüros beklagt man sich dieser Tage nicht über zu viel
Arbeit. Nicht dass ihnen langweilig wäre, dafür sorgen die
Frühbuchungen für den Sommer und die sich stündlich überschlagenden
News aus Asien. Hinsichtlich der Buchungen für Dezember und Januar ist
es
in der Branche jedoch weitgehend ruhig. Sehr ruhig sogar. Diese
schwache Nachfrage der Kunden trifft auf das Charter-Überangebot der
Veranstalter – eine verzwickte Situation.

Die Stimmen, die bei der Bekanntgabe des Winterangebots 2008/09 ein
Überangebot prognostizierten, sind kaum verklungen, und schon werfen
die Veranstalter für Dezember und teilweise bereits für Januar
preisbrecherische Last-Minute-Angebote auf den Markt. Die Zunahme
dieser Angebote kann wohl als klares Indiz für jede Menge unbesetzte
Flugplätze gewertet werden. In einigen Reisebüros hat man jedoch gar
keine Ahnung davon, wie sich die Situation auf dem Last-Minute-Markt
derzeit verhält. Dies kommt daher, weil die Angebote im Moment von den
Kunden schlichtweg nicht gefragt sind – Angebotsflut hin oder her.

Die Angebote sind da und sie sind günstig – aber nur wenige wollen sie.
Der Preis scheint heute doch nicht mehr das Mass aller Dinge
beziehungsweise aller Entscheidungen zu sein. Die Unsicherheit über die
Auswirkungen der Wirtschaftsmisere – in privater wie auch beruflicher
Hinsicht – scheint die Konsumenten vielleicht doch mehr zurückzuhalten,
als es nach aussen hin den Anschein macht. Diese Unsicherheit ist
heute– zumindest am Reisebüroschalter – deutlich zu spüren.

Gewinner der Momentanen Situation sind einerseits die Endkunden, wenn
sie denn von den günstigen Last-Minute-Angeboten profitieren würden.
Andererseits sind es die Last-Minute- Spezialisten wie L’Tur, die
gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit durch ihre
breite Angebotspalette und ihre kurzfristige und flexible Buchbarkeit
auf eine grosse Nachfrage treffen. Die Veranstalter hingegen müssen
ihre sportlich eingekauften Flugplätze zu Spottpreisen «vertschutten»
und die Reisebüros verzeichnen Umsatzeinbrüche wegen zu geringer
Nachfrage. Dazu kommt, dass das Preisempfinden der Kunden durch die
aggressiv-tiefen Preise erneut aufs Massivste strapaziert wird. Wer
erklärt den Kunden bloss im nächsten Jahr, dass es nicht mehr möglich
ist, für 500 Franken eine Woche in einem Vier-Stern-Hotel in Ägypten zu
verbringen?