Guter Jahresstart der Retailer flacht langsam wieder ab (Ausgabe 2014-23)

Während einige Retailer den höheren Arbeitsaufwand durch das Dynamic Packaging der TOs beklagen, sehen andere auch Vorteile im neuen System.

TRAVEL INSIDE befragte einige Retailer nach dem Geschäftsgang 2014, den Buchungs- und Destinations-Trends und den Themen, die sie im Arbeitsalltag beschäftigen.


Guter Start flacht ab

Die Reisebüros sind generell relativ gut ins 2014 gestartet und arbeiten derzeit auf Vorjahresniveau oder darüber. Natalie Hirt (Passage Reisen Dübendorf) erklärt: «2014 ist mit einem Plus von 7% sehr erfreulich bisher, auch wenn der Vorsprung gegenüber Anfang Jahr schon etwas geschrumpft ist.» Auch Daniel Kiefer (Dantours Schönenwerd) bezeichnet das Geschäft im März und April als «etwas ruhiger», unter dem Strich liegt er bei Umsatz und Pax aber immer noch über Vorjahr. Ein fast identisches Bild skizzieren Rolf Helbling (Helbling Reisen Gossau) und Reto Christoffel (Destour Reisen Sargans).

In den Reisebüros Nussbaumer Reisen und Magical Mystery Tours startete nach dem Rekordjahr 2013 auch 2014 erfolgversprechend: «Wir haben unseren Bruttogewinn Stand Ende Mai um fast 10% erhöhen können», erklärt Natalie Dové. Erfreulich zeigt sich 2014 auch für Hans-Jörg Hagger (Reisebüro Buchs) mit einem Wachstum von 15% gegenüber Vorjahr.

Südeuropa im Trend

In den Reisebüros auf der Beliebtheitsskala weit oben befinden sich südeuropäische Ziele wie Spanien, die Türkei und Griechenland. Auf der Fernstrecke bleiben die USA, Kanada und asiatische Ziele die Renner. Hinter den Erwartungen bzw. dem Vorjahr zurück liegen oftmals und wenig überraschend Ägypten und Tunesien. 

Und welche Rollen spielen die Krisen in den diversen Zielen? Hier zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Während Christoffel praktisch keine Nachfrage für Ägypten, Tunesien oder Kenia ausmacht und auch Hans-Jörg Hagger die Destinationen als mehr oder weniger inexistent betrachtet, registriert Natalie Hirt eine leichte Rückkehr der Ägypten-Nachfrage, allerdings auf tiefem Niveau. Die Thailand-Nachfrage sei bei ihr hingegen leicht rückläufig. In anderen Reisebüros liegt Thailand aber weiterhin hoch im Kurs, so z.B. bei Parade Reisen, wo René Blum der Destination eine «unverändert gute Nachfrage» zuspricht. Auch Natalie Dové, Hans-Jörg Hagger, Daniel Kiefer und Rolf Helbling sprechen von einer weiterhin guten Thailand-Nachfrage, die mindestens auf Vorjahresniveau liegt.

Dynamic Packaging

Die TOs setzen heute vermehrt auf Dynamic Packaging. Laut Helbling und Kiefer werde die Arbeit dadurch immer aufwändiger, da alles einzeln gebucht werden muss. «Und dies bei immer kleiner werdenden Margen aufgrund der immer tieferen Arrangement-Preise», fügt Helbling an. Kritisch ist auch die Haltung von Hans-Jörg Hagger: «Dynamic Packaging heisst für uns immer mehr Aufwand und immer weniger Ertrag. Da können wir gleich den Flug und das Hotel selber buchen.» 

Natalie Dové sieht die Problematik darin, dass oft keine provisorischen Reservationen mehr gemacht und die Preise für kurze Zeit garantiert werden können. Doch sie erkennt im Dynamic Packaging auch Vorteile: «Es erscheinen nicht mehr so viele wahnsinnig günstige Last-Minute-Angebote, die uns den Markt kaputtmachen und an welchen eh niemand etwas verdient.» Natalie Hirt sieht den Vorteil des Systems darin, dass es weniger Flugengpässe gibt als früher. Dennoch sei sie froh, dass die TOs noch Charterplätze anbieten und man z.B. auf Travel Service von Hotelplan Suisse ausweichen kann.

Simon Benz/Stefan Jäggi

«Alles darf etwas kosten, nur das Fliegen nicht»

Weiterhin ein heisses Thema ist die Zusammenarbeit mit den Airlines. «Uns beschäftigt das Unbundling und die Intransparenz der Airlines: das mühsame Zusammensuchen von Infos und Buchen von Extraleistungen, die zum Teil nicht im Galileo ersichtlich oder buchbar sind, auch wenn sich die GDS sehr Mühe geben. Das ist ein grosser Zeitaufwand für wenig Marge», erklärt Natalie Hirt (Passage Reisen). René Blum (Parade Reisen) fragt sich derweil, wohin die «teilweise absurd geführten Kriegsstrategien der Airlines» noch führen werden. «Alles darf etwas kosten, nur das Fliegen, eigentlich das Kernprodukt, das darf nichts kosten, sondern wird marketingmässig als fast gratis angepriesen.» Einen Nachholbedarf der Branche ortet Natalie Hirt zudem im Branchennachwuchs: «Stellen mit gutem Personal zu besetzen, ist heute schwieriger denn je.»

Doch die Reisebüros berichten auch von erfreulichen Tendenzen, z.B. der zurückgekehrte Trend zu frühem Buchen, oder die Feststellung von Daniel Kiefer (Dantours), dass vermehrt auch Jugendliche ihre Reisen im Reisebüro buchen.

BNZ