Hansestadt Hamburg feiert ältesten Flughafen Deutschlands (Ausgabe 2010-47)

100 Jahre Hamburg Airport. An vorderster Front mit dabei: der Schweizer Michael Eggenschwiler.

Alles begann am 10. Januar 1911: Die Hamburger Luftschiffhallen GmbH konstituierte sich und vor den Toren Hamburgs wurde der Bau einer Halle für den Zeppelin in Angriff genommen. Nach der Eröffnung 1912 starteten schon bald auch die ersten Flugzeuge auf dem Flugfeld, auf dem Schafe als biologischer Rasenmäher dienten. Gestoppt wurde der Aufschwung durch den Ersten Weltkrieg. Der Wiederaufbau begann im Februar 1919. Die Deutsche Luftreederei GmbH nahm den planmässigen Linienverkehr zwischen Hamburg und Berlin auf. 

1929 eröffnete das erste Abfertigungsgebäude. 1932 wurde das Unternehmen in Hamburger Flughafen-Verwaltung GmbH umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Flughafen für die zivile Luftfahrt gesperrt und von der Luftwaffe umfassend getarnt. 

Daher konnte die Royal Air Force im Mai 1945 einen voll funktionsfähigen Flughafen übernehmen. Durch die Briten wurde der Flughafen zu Hamburg Airport und mit BEA und ab 1947 mit SAS, KLM und Sabena wurde Hamburg wieder an den europäischen Luftverkehr angeschlossen. 1948 wur-de die Betonierung der Piste I fertig.

Von 1950 bis 1990 wuchs der Flugverkehr rasant, Hamburg war nun durch viele Fernverbindungen mit Grossraumflugzeugen auch mit der weiten Welt verbunden. Nach zahlreichen Erweiterungen und Neubauten präsentiert sich der Hamburg Airport in seinem Jubiläumsjahr als moderner Flughafen.

Seit 2003 als Geschäftsführer und seit 2007 als Vorsitzender der Geschäftsführung hat der Schweizer Michael Eggenschwiler (früher Direktor Schweiz von Swissair) die Entwicklung des Flughafens in den letzten Jahren massgeblich mitgeprägt. Waren es im ganzen Jahr 1920 genau 241 Passagiere, zählt der Hamburg Airport heute jährlich rund 13 Mio. Fluggäste. Über 60 Airlines fliegen 115 nationale und internationale Ziele an und rund 15000 Beschäftigte sind in fast 250 Firmen auf dem Flughafengelände tätig. 

Mit zahlreichen Events wird der 100. Geburtstag des ältesten Flughafens von Deutschland gefeiert. Los geht’s am 10. Januar 2011 mit einem grossen Empfang im Hamburger Rathaus. Es folgen ein Open-Air-Konzert auf dem Vorfeld, die Erlebnistage Fliegen mit historischen und modernen Flugzeugen und einem grossen Fest in den Terminals sowie zahlreiche weitere Aktivitäten.

Urs Hirt, Hamburg

Vier Fragen an Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsleitung 


Was halten Sie von der neuen Luftverkehrsabgabe?

Ein völliger Fehlgriff, da man sie nicht gerecht ausgestalten kann. Sie trifft eine Branche, die sich gerade wieder aufrappelt. Der volkswirtschaftliche Schaden durch den Wegfall von Passagieren und Jobs (direkt und indirekt) wird fast so hoch wie die erwarteten Einnahmen sein. Im Alleingang schadet sie auch der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. 

Wird der neue Airport Berlin-Brandenburg als möglicher Oneworld-Hub Einfluss auf Hamburg haben?

Nein, unser Hauptgeschäft ist mit über 90% der Point-to-point-Verkehr in Europa, dazu gewisse Langstrecken-Verbindungen in Hubs wie New York oder Dubai. Es besteht ein gewisses Konkurrenzverhältnis auf der Langstrecke, wo wir ähnlich positioniert sind. Wir haben aber mehr attraktiveren Geschäftsverkehr, Berlin viel mehr touristischen Verkehr. 

Hub Hamburg, kein Thema?

Nein und ich finde es gut, dass die Politik hier das nicht will. Wir haben dafür den Vorteil des Standortes nahe der Stadt. 

Was ich mir aber wünsche, ist eine direkte Verbindung nach Shanghai, der Partnerstadt von Hamburg. Und nach Athen, der letzten grossen europäischen Hauptstadt, die uns noch fehlt, und ein paar Ziele mehr in den USA wären auch schön.

Wie beurteilen Sie die Probleme (An-/Abflugregime) am Flughafen Zürich?

Seit meinem Weggang aus der Schweiz hat sich kaum etwas verändert. Von der Sache her ist es eine Situation, die so nicht sein sollte. Ich hoffe, dass man unter der neuen Konstellation mit je einem neuen Verkehrsminister bzw. -ministerin das Thema mit etwas Distanz und rationaler Argumentation angeht. Es geht um den Hauptflughafen der Schweiz, wichtig für ein global funkti-onierendes Land. Die Schweiz muss ein vitales Interesse an einer optimalen Bedienung haben und vor allem mit einer Stimme sprechen.                

UH