Beim Euroairport spalten sich die Geister, zumindest bei den beiden
Billigairlines Easyjet und Ryanair. Während erstere ihr Angebot ab
Basel im Winter ausbaut, streicht Ryanair zwischen dem 4. November und
dem 18. Dezember sämtliche 204 Flüge ab Basel. Was könnten die Ursachen
sein für eine solch unterschiedliche Strategie?
Noch im April verkündete die irische Fluggesellschaft den erfolgreichen Start in Basel mit
insgesamt 81000 beförderten Passagieren seit Oktober 2007. Zudem
brüstete sich Ryanair mit Einsparungen von 1,75 Millionen Euro
gegenüber Easyjet und garantierte die günstigsten Preise.
Offensichtlich sind nun aber die Kosten gewisser Flughäfen, darunter
die des Euroairports in Basel, zu teuer geworden. Das Versprechen lässt
sich in der umsatzschwachen Zeit von Anfang November bis Mitte Dezember
mit dem notwendigen Rentabilitätsanspruch nicht mehr einhalten. Die
Airline hat sich mit der Streichung der Flüge für einen
Rückwärtsschritt in eine kalkulierbare Defensivhaltung entschieden. Für
die betroffenen Flughäfen ist die temporäre Streichung eine deutliche
Warnung. Zwar handelt es sich vorerst um eine vorübergehende Massnahme,
aber es ist nicht auszuschliessen, dass neben Ryanair in Zukunft auch
andere Airlines in ähnlicher Weise auf die hohen Flughafenkosten
reagieren werden.
Trotz des grossen Verlustes im letzten Winter, trotz der stetig
steigenden Kerosinpreise und trotz des drohenden wirtschaftlichen
Abschwungs baut Easyjet ihr Streckennetz ab Basel weiter aus. Die
Airline setzt auf Geschäftsreisende und fliegt im Winter ab Basel
zusätzlich nach London Gatwick und legt eine zweite Verbindung nach
Amsterdam auf. Easyjet ist wohl der Ansicht, die hohen Flughafenkosten
des Euroairports lassen sich besser auf die weniger preissensiblen
Geschäftsreisenden abwälzen, als auf die preisbewussten
Billigtouristen. Neben den Geschäftskunden aus der Schweiz zielt die
Airline vor allem aber auch auf Reisende aus dem nahen Elsass, die in
Zukunft auch vermehrt umworben werden sollen.
Inwiefern sich die geplanten Massnahmen auf der beiden
Fluggesellschaften auf ihre Geschäfte auswirken, zeigt sich spätestens
im nächsten Frühjahr. Den beiden Billigairlines stellen sich heute, in
einer Zeit der steigenden Ölpreise, vor allem noch zwei Fragen: Wie
teuer darf «billig» eigentlich sein und ab wann ist eine Billigairline
nur noch eine Günstigairline oder einfach bloss noch eine
Airline?



