Das althergebrachte Geschäft mit Pauschalreisen steht nicht erst seit heute unter Druck. Die massive Abwanderung von Kunden ins Ausland, wo X-Produkte also dynamisch paketierte Produkte mit Echtzeitpreisen und -buchung seit Längerem verfügbar sind und welche mit dem Zerfall des Euro im letzten Sommer zusätzlich attraktiv wurden, hat die Entwicklung in der Schweiz beschleunigt. TUI produziert die Badeferien im Flugbereich dynamisch, im Hotelbereich aber nach wie vor herkömmlich. Kuoni lanciert nun als erster Schweizer Grossveranstalter echte X-Angebote im Markt.
X-Helvetic Tours bedient sich für die Bündelung der im Moment verfügbaren besten Flug- und Hotelangebote bei Datenbanken von GDS und Bettenbanken; die fixfertigen Angebote werden online in CHF-Preisen angeboten. Auf die Datenbanken der Kuoni-Tochter GTA wird im Bereich Badeferien übrigens nicht zurückgegriffen, da diese keinen «Beach Content» haben. Da somit auch im Badeferienbereich extrem tiefe Preise angeboten werden, soll die Abwanderung zu ausländischen Veranstaltern verhindert werden. Oder anders gesagt: Kuoni bietet endlich ein Tool, welches einem aktuellen Nachfragemuster entspricht.
Dafür war es höchste Zeit. Es liegt auch in der strategischen Logik: Nachdem Kuoni bereits vor Monaten den eigenen Retailkanal umkrempelte und mit modernen Tools ausstattete, wird nun auch das Tour Operating mit einem besseren Tool ausgestattet. Was die X-Produktion von anderen Online-Anbietern wie Ebookers unterscheidet, ist, dass die Reise erst produziert wird, wenn der Kunde definitiv bucht; es wird also nicht auf fixfertig vorproduzierte Reisen zurückgegriffen, wie dies bei Online-Reisebüros der Fall ist.
Helvetic Tours wird seine herkömmlichen Pauschal-reiseangebote weiterhin parallel zu X-Helvetic Tours entwickeln. Im Prinzip geht es also nur um eine Ergänzung des Angebots, um eine neue Buchungsmethode, welche die Web-affine und preissensible Klientel anspricht. Unter der Marke Kuoni wird zumindest vorläufig auf das Anbieten solcher X-Angebote verzichtet.
Es ist aber klar, dass hier die Zukunft spielt. Andere Schweizer Grossveranstalter arbeiten an ähnlichen Lösungen und werden diese früher oder später auch lancieren. Fragt sich nur noch, ob auch andere Branchen nachziehen werden. Man stelle sich vor, an einer Fressbude steht «Cervelat für 5 Stutz», doch beim Kauf heisst es dann: «Tagesaktuell kostet die Wurst nur noch 3 Stutz.» Das wär doch mal was.
Jean-Claude Raemy



