Hohe Qualität im Steuerparadies (Ausgabe 2007-30)

Jean-Claude Raemy zur 3. Staffel «Sommerleute»

Vom Steuerparadies Zug profitieren zahlreiche Reisebüros. Fast jedes von TRAVEL INSIDE
besuchte Reisebüro in Zug liess durchblicken, dass ein Gros des Umsatzes im Commercial-Geschäft erwirtschaftet werde – die Angaben variierten von 30 bis 75 Prozent Umsatzanteil.

Weiterer Nebeneffekt: Das Leisure-Geschäft wird oftmals peripher zum Commercial-Geschäft abgewickelt, sprich: Jene Kunden, die beim Reisebüro eine Geschäftsreise buchen, suchen oft das selbe Büro für die Buchung einer Privatreise auf. Das Business läuft aber auch in der andern Richtung: Privatkunden werden da und dort auch schon zu Commercial-Kunden – beispielsweise bei BTA Travel, einem Reisebüro, das gerne als Commercial-Spezialist wahrgenommen wird, bei dem der Leisure-  inzwischen den Commercial-Anteil  überholt hat.

Letzteres scheint aber auch bei Globetrotter der Fall zu sein: Man ist zwar nicht wirklich ein Aushängeschild des Business-Travel-Geschäfts, muss angesichts der vielen Anfragen aus dem Commercial-Bereich aber eine Warteliste einrichten! Vielleicht hat da geholfen, dass sich Globetrotter langsam aber sicher von den Etagenbüros verabschiedet und direkt an Passantenlagen mit schönen, geräumigen Büros auf sich aufmerksam macht. Selbst die Kleidung der Globetrotter-Mitarbeitenden scheint wieder etwas mehr «business-like» geworden zu sein …

Paradiesische Zustände im Steuerparadies also? Dem scheint tatsächlich so zu sein. Alle Reisebüros vermelden steigende Zahlen, viele Buchungen, zufriedene Stamm- und eine wachsende Anzahl Neukunden. Offenbar gibt es genug Commercial- und Leisure-Geschäft für alle. Der boomende Firmenstandort Zug ist also auch Lebensnerv für eine hohe Anzahl Reisebüros.

Vielleicht ist es aber einfach so, dass das Qualitätsniveau der Agenten vor Ort hoch ist. Diesen Eindruck erhielt man angesichts des ausnahmslos freundlichen, kompetenten Empfangs. Die Reisebüros waren gepflegt, teilweise schön und gemütlich, keine Spur von demotivierten Mitarbeitenden. Da und dort wird noch ein Parallelgeschäft mit Reiseartikeln betrieben, es existieren Partnerschaften mit Getränkesponsoren, die Mitarbeitenden sind «im Bild» über die Branche. Gute Noten also für diese Reisebüros. Sie haben ihre interne Qualitätssicherung im Griff. Das ist – gerade angesichts von anscheinend mangelndem Interesse am
Q-Gütesiegel – beruhigend.