Seit Monaten argumentieren Swiss und der SRV zum Thema
Vorzugspreis-Modell mit GDS-Gebühren, welches Lufthansa und Swiss
Anfang Jahr präsentierten. Die Geschichte um die GDS-Gebühren liest
sich wie ein Wetterbericht. Mitte Januar: kühl, leichte Bise. Es ist
ein Gewitter im Anzug. Swiss und Lufthansa geben die Einführung ihrer
Preferred-Fares bekannt. Februar bis Mai: kalt, Donnerwetter. Die
Fronten verhärten sich und der SRV ruft zum Boykott auf. Mitte Mai bis
anfangs Juni: Hochdruck, zunehmend sonnig, angenehmes Klima. Swiss
erreicht mit neuen GDS-Verträgen den Durchbruch.
Nach Sabre einigten sich nun auch die GDS von Travelport, Galileo und
Worldspan mit Swiss auf einen Vertrieb von Swiss- und Lufthansa-Flügen
ohne zusätzliche Gebühren. Durch das Abkommen kann Swiss die für 2008
prognostizierten GDS-Gebühren in Höhe von 90 Millionen Franken
reduzieren und von neuen technischen Funktionalitäten und
Serviceleistungen seitens Travelport profitieren. Travelport kann
ihrerseits weiterhin den Full Content von Swiss und Lufthansa anbieten
und sich über die Dauer der Vereinbarung das wichtige Vertrauen der
Reisebüros stärken. Der Vertrag von Sabre hat eine Gültigkeit bis Juni
2009, jener von Travelport bis Ende 2011.
Die angespannte Situation zwischen Swiss und dem SRV wurde heimlich
still und leise von der dritten Partei aus dem Hintergrund geklärt.
Denn ausgerechnet die GDS, die sich lange Zeit aus der Tarif-Debatte
heraus hielten, kommen nun mit den neuen Verträgen Swiss und letztlich
auch den Reisebüros entgegen. Der Schweizerische Reisebüro-Verband
berät sich derweil, prüft die veränderte Sachlage und wird demnächst
eine Empfehlung bezüglich der Vertragsunterzeichnung aussprechen.
Ganz gross kommt in der ganzen Angelegenheit Swiss-Mann Harry
Hohmeister raus: Er hat Verhandlungsgeschick bewiesen. Sachlich, ruhig,
hartnäckig und doch immer korrekt hat er die Ziele von Swiss unter
Einbezug der beteiligten Partner herbeigeführt. Nicht nur auf Ebene
Swiss in der Schweiz sein Einfluss hat vermutlich auch Lufthansa und
die anderen Märkte stimuliert. Doch auch dem SRV darf attestiert
werden, dass wahrscheinlich die starke Opposition in der Schweiz
letztlich Hohmeister dazu animiert hat, alles zu geben. Hohmeister und
sein Team um Rudolf Schumacher haben es geschafft, eine Wende zum Guten
herbei zu führen. Wer hätte dies noch vor wenigen Wochen geglaubt?



