Die Filialen in Einkaufszent-ren sind konfrontiert mit Öffnungszeiten, die tendenziell immer länger werden, was Rainer Schenkel (TUI Suisse) bestätigt: «Vor allem Migros und Coop pochen auf Ausdehnung, weil diese in den Randstunden Güter des täglichen Bedarfs stark absetzen können.»
Trotzdem ist es für Schenkel ein Vorteil, in einem Shopping Center angesiedelt zu sein: «Frequenzen und Gesamtattraktivität stimmen. Auf die extremen Abendzeiten würden wir gerne verzichten in den letzten zwei Arbeitsstunden sind die Personalkosten im Verhältnis zu den entstehenden Neubuchungen nicht optimal.» Gianni Moccetti (Kuoni) sieht dieses Problem auch: «Wer geht an einem Samstagabend um 20 Uhr in ein Einkaufszentrum für eine Reiseberatung?»
Eine andere Meinung hat Daniel Reinhart (Hotelplan Suisse): «Wenn die Öffnungszeiten ein Problem wären, dann wären wir nicht so stark in Einkaufszentren vertreten. Ein Vorteil der kundenfreundlichen Öffnungszeiten ist, dass diese von den Kundinnen und Kunden sehr geschätzt werden, weil viele von ihnen auch nicht einfach von 9 to 5 arbeiten.» Anteilsmässig hat Hotelplan deutlich mehr Filialen in Shopping Centers als Kuoni und TUI (siehe Box).
Im Gegensatz zu einer «gewöhnlichen» Filiale sind die Reisebüros in Einkaufszentren vertraglich gezwungen, die Öffnungszeiten der Shopping Centers zu übernehmen inklusive Sonntagsverkäufe in der Vorweihnachtszeit.
Lohnen sich die langen Öffnungszeiten und die relativ hohen Personalkosten? «Die Nettorendite ist in den grossen und bekannten Shopping Centers der Schweiz überdurchschnittlich hoch», sagt Schenkel. Dies bestätigt auch Reinhart: «Generell gilt, dass die Filialen in den Einkaufszentren rentabler sind als die Filialen an Passantenlagen in Dörfern oder Städten, weil sie höhere Umsätze generieren.»
Moccetti unterscheidet je nach Zentrum: «Wir sind sehr glücklich und froh, trotz relativ hoher Kosten in Einkaufszentren wie Glattzentrum und Volkiland zu sein: grosse Frequenzen, gute Umsätze (wie die besten Filialen in Stadtzentren). Hingegen ist es zunehmend problematisch, in kleinen/mittleren Einkaufszentren von Grossverteilern in Agglomerationen gute Geschäfte zu generieren.»
Als weitere Herausforderung sieht Moccetti die Lage der Filialen in den Shopping Centers: «Es wird zunehmend schwieriger, gute Lagen zu erhalten, weil die Besitzer meistens Grossverteiler sind, die ihre Eigenmarken je länger je mehr bevorzugen.»
Hier ist Hotelplan als Tochtergesellschaft der Migros klar im Vorteil, wie Reinhart ausführt: «Grundsätzlich befinden sich unsere Filialen in den Einkaufszentren an guten bis sehr guten Lagen. Da die meisten der entsprechenden Einkaufszentren zu Migros gehören oder Migros wichtigste Mieterin ist , haben wir diesbezüglich sowieso keine Probleme.»
Chris Probst



