Internetzugang an Bord: Das Wettrüsten ist in vollem Gang (Ausgabe 2012-18)

Immer mehr Airlines bieten WLAN an Bord an.

Bereits anfangs des letzten Jahrzehnts lieferten sich die Airlines beim Internetzugang an Bord ein Wettrennen. Da die Boeing-Tochterfirma Connexion by Boeing, die ein entsprechendes System anbot, aber nicht reüssierte, wurde die Entwicklung um einige Jahre zurückgeworfen. Nun hat der Fortschritt wieder Fahrt aufgenommen. Die wichtigsten Fragen rund um die Konnektivität an Bord.


Bei welchen Airlines gibt es Internetzugang?

Lufthansa hat Mitte 2010 ihren Flynet-Service neu lanciert und bietet mittlerweile auf Nordatlantikflügen Internetzugang. Die Airbus A330 wurden zuerst mit Flynet ausgestattet, die restlichen Langstreckenflieger sollen sukzessive folgen. 

Emirates, ebenfalls ehemalige Kundin von Connexion by Boeing, ist zurzeit daran, ihre Airbus A380 für kabelloses Internet umzurüsten. SAS hat im letzten Dezember ihre erste Boeing B737 mit ihrem System «SASWifi» bestückt, das WLAN- und GSM-Zugang umfasst; bis Juli 2012 sollen neun weitere Flugzeuge folgen.

Ebenfalls am Aufrüsten sind unter anderem Etihad Airways, Oman Air, TAM Airlines, Turkish Airlines, Thai Airways und zahlreiche weitere Airlines. Die grössten Anbieter in diesem Bereich sind heute Panasonic mit ihren Systemen Exconnect und Exphone sowie das Genfer Unternehmen On Air.

Wieso hat Nordamerika soviel Vorsprung?

In der Tat gehört WLAN an Bord in den USA und in Kanada schon seit Jahren fast zum Standard. Der Unterschied: Die US- und kanadischen Airlines setzen auf eine bodengebundene Technologie und boten WLAN deshalb bisher vor allem innerhalb des amerikanischen Kontinents an. Die meisten Fluggesellschaften nutzen das Mobilfunkturm-Netz von Marktführer Aircell. Sobald die Route übers Meer führt, etwa auf Transatlantikflügen, ist eine – bedeutend teurere – Satellitenverbindung notwendig.

Wie viel kostet der WLAN-Zugang?

Die Kosten werden entweder pro Zeit oder pro Datenmenge abgerechnet. Bei Lufthansa etwa zahlt man für eine Stunde Breitband-Internetzugang EUR 10.95, die 24-Stunden-Pauschale beträgt EUR 19.95. «Die Tarife werden durch die Deutsche Telekom festgelegt und sind im Verhältnis zum Aufwand eines satellitengestützten Systems recht günstig», kommentiert Lufthansa-Pressesprecher Michael Lamberty die Preise.

Emirates hingegen rechnet pro Datenmenge ab: 5 MB gibt es dort für USD 7.50, 25 MB kosten USD 15, 100 MB kosten USD 25. Gemäss einem Beispiel von Emirates sollten 5 MB für den Mailbetrieb eines Blackberry auf dem Flug Paris–Dubai ausreichen.

Kann man somit auch vom Flugzeug aus telefonieren?

Mit internetbasierten Lösungen – z.B. via Skype – ist heute kein Mobilnetzzugang mehr nötig, um zu telefonieren. Theoretisch kann man deshalb ohne zusätzliche Kosten an Bord telefonieren, sobald eine WLAN-Verbindung steht. Viele Airlines, darunter Lufthansa, verbieten aber Telefongespräche an Bord, damit Mitreisende nicht gestört werden. Nicht so zum Beispiel Emirates: Die arabische Airline hat mit ihrem Partner Aeromobile Service schon vor Jahren einen Mobilfunkdienst auf GSM-Basis eingeführt. Während eines Nachtflugs kann er ausgeschaltet werden. Da es sich um einen Mobilfunkdienst handelt, fallen entsprechend Roamingkosten an, die sich je nach Anbieter auf 3 und 6 Franken pro Minute belaufen.

Was ist mit der Sicherheit?

Jahrelang wurden die Passagiere dahin erzogen, ihre elektronischen Geräte auch während des Flugs nur im Flugmodus zu benutzen. Dann kann allerdings nicht auf WLAN- oder GSM-/GPRS-Dienste zugegriffen werden. Es ist deshalb absehbar, dass die Regeln bald gelockert werden. «Früher konnte man nicht ganz ausschliessen, ob ein mitgebrachtes elektronisches Gerät die Bordelektronik stören könne. Dies ist aber vom Tisch, da die Bordelektronik sehr gut abgeschirmt ist», sagt Lufthansa-Sprecher Lamberty dazu. Die USA erwägen derweil eine Aufhebung des Nutzungsverbots von iPads und Notebooks beim Start.

Und die Swiss?

Bei Swiss bestehen laut Sprecher Mehdi Guenin zurzeit keine Pläne, Breitband-Zugang kurzfristig anzubieten. Man verfolge die Entwicklung aber mit grossem Interesse und es sei durchaus denkbar, dass WLAN in Zukunft angeboten werde. Telefonate werden wohl eher nicht möglich sein; Umfragen hätten gezeigt, dass dies die Mehrheit der Passagiere nicht wünsche, da es eine Komforteinbusse bedeuten würde. 

Stefan Jäggi