JAT: 60 Jahre Zürich–Belgrad (Ausgabe 2009-31)

Nach turbulenten Zeiten liegt der Fokus nun auf Expansion und Modernisierung.

Vor 60 Jahren, am 24. August 1949, landete JAT Airways (damals Yugoslav
Airlines) mit einer DC-3 zum ersten Mal auf dem Flughafen Zürich. JAT
gehörte damit zu den ersten internationalen Fluggesellschaften, die
Zürich anflogen. Der Flug Belgrad–Zagreb–Zürich war zudem der erste
internationale JAT-Flug in den Westen. Bereits drei Jahre später
eröffnete JAT in Zürich ein Büro. Das Jubiläum wird am 24. August mit
einem Spezialevent am Abfluggate gefeiert.
Seit damals ist viel passiert: JAT – als Airline im Juni dieses Jahres
82-jährig geworden – expandierte massiv, verfügte im Laufe der Zeit
über ein umfassendes Streckennetz auf der Kurz-, Mittel- und
Langstrecke und operierte nebst der Zürich-Route zahlreiche Linien- und
Charterstrecken ex Schweiz an verschiedene Ferienziele im damaligen
Jugoslawien. 1984 wurden für kurze Zeit auch Direktflüge nach Genf
aufgelegt. 1989, das beste Jahr für JAT, bediente die Airline ab der
Schweiz Belgrad, Zagreb, Dubrovnik, Split und Ljubljana.

Anfang und Ende der 90er-Jahre zwangen internationale und EU-Sanktionen
JAT dazu, den Flugbetrieb einzustellen, auch die Flüge in die Schweiz
waren davon betroffen. Am 22. Februar 2000 konnte JAT den Flugbetrieb
zwischen Belgrad und Zürich wieder aufnehmen und verbindet seither
ununterbrochen die Schweiz mit dem heutigen Serbien. «Es war ein
Neuanfang auf einer stark redimensionierten Basis. Heute fliegen wir
täglich einmal von Belgrad nach Zürich und zurück, am Samstag und
Montag (Zürich–Belgrad) sowie am Freitag und Sonntag (Belgrad–Zürich)
gibt es je einen zweiten Flug auf dieser Strecke und die Route
Nis–Zürich–Nis bedienen wir zwei Mal wöchentlich am Samstag und Montag.
Das ergibt insgesamt elf wöchentliche Flüge, immer mit einer Boeing
B-737-300 oder 400, je nach Auslastung», erklärt Ilija Todoric, seit
einem Jahr General Manager JAT Schweiz.

Trotz Krise ist Todoric mit dem Geschäftsgang in der Schweiz zufrieden:
«Im Vergleich zu den Vorjahresmonaten transportierten wir im April 9%
mehr Passagiere und im Mai 18% mehr. Wir haben vor allem einen grossen
Anteil Ethnic-Verkehr, der von der Krise nicht so betroffen ist. Dazu
kommen Geschäftsleute, Interline-Traffic und eine gute Zusammenarbeit
mit Veranstaltern und Reisebüros. Die durchschnittliche Auslastung
unserer Maschinen auf der Belgrad-Route liegt bei über 70%, nach Nis
ist sie leicht darunter. In Zukunft möchten wir Belgrad, das sehr viel
zu bieten hat, als Städte-reisenziel bewerben und damit den
Leisure-Anteil steigern.»

JAT verfügt heute über eine Flotte von 16 Maschinen (zehn B-737-300,
eine Boeing B-737-400 und fünf ATR 72-200), die meisten in einer
Zweiklassenkonfiguration (Business/Economy) und bedient 36 Ziele in 24
Ländern in Europa und dem mittleren Osten. Langstreckenpläne gibt es
derzeit keine, wie Todoric erklärt.

Urs Hirt



Allianzen, Flottenerneuerung und Umzug


JAT ist zu 100% in Staatsbesitz, Privatisierungbemühungen wurden wegen
der aktuellen Krise unterbrochen. Ilija Todoric: «Wir wollen JAT gesund
trimmen und weiter modernisieren. Dazu gehören auch Pläne einer
kontinuierlichen Flottenerneuerung. Im Visier sind Maschinen mit 70 bis
90 Plätzen, denn mehr Frequenzen mit kleineren Maschinen sind
erfolgversprechender. So könnte ich mir auch für Zürich zwei tägliche
Flüge vorstellen. Gleichzeitig suchen wir Maschinen im Bereich von 100
bis 120 Plätzen. Das Ganze ist längerfristig angelegt. Ebenfalls
führten wir Gespräche über einen Allianzbeitritt, vornehmlich mit
Skyteam und Star Alliance. Diese sind im Moment auf Eis gelegt.» Mit
der Swiss, die ebenfalls nach Belgrad fliegt, pflege man gute Kontakte
und Codeshare-Gespräche. 
Das 7-köpfige JAT-Team hat nach 50 Jahren die Büros am Zürcher
Limmatquai verlassen. Alle Mitarbeitenden haben neue Räume im Check-in
2 am Flughafen bezogen. Todoric: «Ich suche noch einen Nachmieter, dann
wechsle auch ich.»    

UH