Jetzt geht’s richtig los (Ausgabe 2008-08)

Chris Probst über die GDS-Gebühren von Swiss/Lufthansa

Der Schweizerische Reisebüro-Verband (SRV) scheint entschlossener denn
je zu sein im Kampf gegen die Vorzugspreise und GDS-Gebühren von Swiss
und Lufthansa. Die eigens für diesen Streit gebildete Task Force war
sich offenbar an ihrer ersten Sitzung einig, alle Register zu ziehen,
juristisch vorzugehen und notfalls auch Kampfmassnahmen umsetzen zu
wollen.

Diese Einigkeit ist wichtig und gar nicht mal so selbstverständlich,
weil Interessen verschiedener Marktteilnehmer – Reisebüros,
Veranstalter/Broker, Verband, Geschäftsreisen-Anbieter mit Grosskunden
im Hintergrund – zusammenkommen. Die wirkliche Solidarität in der
Reisebranche wird sich allerdings erst zeigen, falls es tatsächlich zu
Kampfmassnahmen kommt.

Die nun folgenden Gespräche zwischen Verbänden und Airlines werden
nicht einfach. Das wissen wohl alle Involvierten. Im Moment beharren
beide Seiten auf ihren Standpunkten, und es ist nicht damit zu rechnen,
dass sie in den kommenden zwei Wochen gross davon abweichen werden.
Swiss scheint immerhin gewillt zu sein, mit dem SRV grundsätzlich über
die neue Distributionsstruktur zu diskutieren. Anders präsentiert sich
die Lage in Deutschland bei Lufthansa, die mit den fünf Verbänden aus
der Schweiz, Deutschland und Österreich anscheinend nur über Umsetzung
und Prozessunterstützung sprechen will. Unter diesen Voraussetzungen
werden sich die Verbände nicht nach Frankfurt bemühen.

Auf einer anderen Ebene verhandeln GDS und Airlines. Es sieht so aus,
dass nicht alle GDS gleich weit mit konkreten Verhandlungen sind.
Interessant ist die Aussage von Amadeus, dass Swiss bei Annahme des
Drei-Jahres-Full-Content-Vertrags die Segmentkosten 2008 verglichen mit
2005 tatsächlich um 12% hätte senken können. Wenn das stimmt, ist es
unerklärlich, wieso Swiss nicht auf diesem Weg die Distributionskosten
senkt, statt auf den Reisebüros rumzuhacken und zu jammern, die
Segmentkosten seien von 2006 auf 2007 um bis zu 20% gestiegen. Namhafte
Airlines wie Air France-KLM oder Iberia (total 67, davon 37 mit der
Drei-Jahres-Option) haben sich auf den Amadeus-Vertrag eingelassen. Die
anderen GDS dürften den Airlines wohl ähnliche Angebote machen.

Solange Swiss nicht konkrete Zahlen auf den Tisch legt, fällt es
relativ schwer, die Angaben zu den Kostensteigerungen nachvollziehen
und glauben zu können.