KLM setzt in Europa voll auf À-la-carte-Tarife (Ausgabe 2013-08)

Die Trennung von Gepäckbeförderung und Ticketpreis sorgt für scharfe Kritik.

Im Rahmen einer neuen Produkt- und Preispolitik trennt KLM künftig Gepäck- und Ticketpreise auf innereuropäischen Strecken. Ab dem 22. April 2013 bezahlen Passagiere der Economy Class auf Europaflügen neu EUR 15 pro aufgegebenes Gepäckstück pro Weg, sofern bei der Buchung angegeben; bei Aufgabe am Flughafen kostet es gar EUR 30. In der Schweiz wird die Euro-Gebühr zum jeweils aktuellen Frankenpreis umgerechnet. Kostenlos erlaubt sind nur noch eine Handtasche und ein Zubehör, zusammen bis 12kg.

Ausgenommen von der Regelung sind Mitglieder des KLM-Vielfliegerprogramms «Flying Blue» sowie vertraglich gebundene Firmenkunden, Blue-Biz-Mitglieder und Passagiere, die über ein flexibles Ticket (Y- und B-Klasse) verfügen.

KLM argumentiert, dass dieses «Unbundling» das veränderte Kundenverhalten widerspiegelt. Laut Annalisa Repetto, Sprecherin von Air France-KLM Schweiz, reisen bereits heute viele Passagiere innerhalb Europas nur mit Handgepäck: «Laut einer IATA-Studie sind dies fast 70% der Passagiere europaweit, wobei da alle Airlines inklusive Low-Costern berücksichtigt sind.» Dass nur Vieflieger um die neuen Gebühren herumkommen, sei nicht mit dem Ziel verbunden, mehr Flying-Blue-Mitglieder zu generieren: «Gewiss, wir werden Vielflieger dazugewinnen», erklärt Repetto und präzisiert: «Das primäre Ziel ist aber, unseren treuen Kunden Vorteile zu bieten, während Ad-hoc-Kunden ihre Reisen vermehrt individuell gestalten sollen.» 

Dass infolge der Abtrennung der Gepäckkosten die Tarife sinken, ist nicht generell vorgesehen: «Es gibt Strecken, wo es Raum für Tarifsenkungen gibt», sagt Repetto, «in der Schweiz wird dies aber eher nicht der Fall sein, weil der Basistarif für die Strecken nach Holland bereits sehr tief ist.»

In der Reisebürolandschaft hat diese jüngste Unbundling-Massname jedenfalls für scharfe Reaktionen gesorgt.

JCR