Knecht lanciert in Ozeanien wieder geführte Gruppenreisen (Ausgabe 2009-05)

Der Aarauer Spezialist hofft, als Sieger eines weiteren Stagnationsjahres hervorzugehen.

Knecht Reisen hat letzte Woche den neuen Katalog «Aus-tralien,
Neuseeland und Südsee» vorgestellt. Auffallend ist die Rückkehr von
geführten Gruppenreisen ins Angebot, mit je einer exklusiven
Gruppenreise «Traumreise Australien» und «Traum-reise Neuseeland»,
sowie diversen neuen Kleingruppenreisen. «Die Nachfrage für solche
geführte Rundreisen steigt wieder», bemerkt Product Manager Christoph
Bärlocher, «viele Kunden wollen wieder informative, unkomplizierte
Reisen geniessen.» Was nicht heisst, dass der Self-Drive-Markt
einbreche. Diverse neue Self-Drive-Angebote unterstreichen dies.

Des Weiteren nahm Knecht Reisen eine Bereinigung im Hotelportfolio vor:
Es sind zwar gleich viele Hotels im Angebot wie im letzten Katalog,
doch wurden zahlreiche von Bärlocher als «nicht zufriedenstellend»
taxierte Hotels mit nicht alltäglichen (Boutique-)Hotels ersetzt. In
Neuseeland sind fast die Hälfte der Hotels neu im Portfolio.

Zur «Destination des Jahres» wurde Fiji erkoren. Bärlocher erkundete
die Paradiesinseln letztes Jahr wieder einmal auf eigene Faust und war
von Kultur, Stränden und dem Preis-Leistungs-Verhältnis angetan.

Für 2009 herrscht nun das Prinzip Hoffnung, denn trotz der grossen
«Australia-Kampagne» rechnet Bärlocher mit weiterhin stagnierenden
Zahlen: «Im letzten Jahr blieben wir auf dem Niveau des Vorjahres, was
ich nicht als Beinbruch einstufe. Wir haben im Gegensatz zu gewissen
anderen TOs auch nicht über den Preis versucht, Anteile zu gewinnen.
Das wird auch dieses Jahr so sein. Ich glaube, dass jene gewinnen
werden, welche innovativ sind und cleveres Marketing betreiben. Unsere
Vorausbuchungen  liegen bisher leicht über Vorjahr, doch eine
langfristige Einschätzung ist schwierig Ich gehe davon aus, dass der
Markt allgemein weiterhin stagniert.»

Obwohl Bärlocher den Film «Australia» und die Kampagne darum gut fand,
glaubt er, dass diese bisher nicht das brachten, was er (und andere
Spezialisten) sich davon erhofft hatten. Die Krisenstimmung wiege
allfällige positive Effekte auf. Wobei die Preise entgegen den ersten
Befürchtungen nach der ATE 2008 gar nicht so stark stiegen – in
Westaustralien betrug die Teuerung laut Bärlocher «nur» 5 bis 10%, im
Osten sei Australien vereinzelt gar günstiger geworden. Die Teuerung
bei vielen Hotels wurde durch die Abschwächung des australischen
Dollars aufgefangen.

Australien dürfte also auch 2009 rund 80% des Umsatzes ausmachen,
während Neuseeland 15% und die Südsee die restlichen 5% generieren. Die
anteilsmässige Gliederung im Katalog fällt entsprechend aus. Und auch
die Nachfrage dürfte laut Bärlocher weiterhin «klassisch» sein, also
vor allem für Red Centre, Great Ocean Road und die Ostküste allgemein.
Die Westküste nehme aber weiterhin an Beliebtheit zu, und auch
«Aboriginal Tourism» gewinne langsam an Stellenwert, obwohl Bärlocher
mancherort noch nicht ganz zufrieden mit der Angebotsqualität ist.

Der einzige richtige Wermutstropfen für Bärlocher ist das angespannte
Verhältnis zu den Airlines: «Die Tarifstrukturen werden immer
komplexer. Es ist kaum noch möglich, den Überblick zu behalten, worauf
Fehler passieren, welche uns dann postwendend voll belastet werden.
Dieser Tarifsalat muss ein Ende haben.»

Jean-Claude Raemy