Roger Geissberger verschafft sich Luft. Dies ist der Hauptgrund für die
neue Strukturierung, welche die Knecht Reisen Gruppe ab 2009 haben
wird. Zuletzt rapportierten 32 Personen direkt an Geissberger, und
dieser gibt auch unumwunden zu, dass dies das Gros seiner Arbeit
ausmachte.
Wie bei Unternehmen vergleichbarer Grösse üblich, sind
Finanzen, Marketing und Beteiligungen künftig weiterhin direkt beim CEO
angegliedert. Aber dank der neuen Struktur muss er nicht mehr die
Rapporte aller TO-Verantwortlichen und aller Filialleiter über sich
ergehen lassen. Dafür hat er langjährige «Weggefährten» befördert,
welche ihm diese Arbeit abnehmen. Das signalisiert Kontinuität und
dürfte auch auf der Kostenseite keine schwerwiegenden Auswirkungen für
Knecht haben.
Noch sind zwar nicht sämtliche Zuständigkeiten, Titel und
Arbeitsverhältnisse klar. Sprich, das «ausgegorene» Organigramm liegt
noch nicht vor. Laut Geissberger wird dieses erst im August definitiv
feststehen. Bis zum Greifen der neuen Struktur hat man ja noch etwas
Zeit. Geissberger geht nun erst mal mit seiner Familie nach Kanada in
die Ferien. Das hat die Familie verdient, denn Geissberger nimmt nebst
seiner Führungsrolle bei Knecht auch noch elf VR-Mandate wahr und ist
beim Profifussballverein FC Aarau im Vorstand engagiert.
Die Neuorganisation ist übrigens kein richtiger Paradigmenwechsel beim
Aarauer Reiseunternehmen. Bisher galt das «lean management» als einer
der Erfolgsfaktoren von Knecht. Die neue Führungsstruktur beim
inzwischen viertgrössten Schweizer Reiseunternehmen entspricht in
seiner geplanten Form aber immer noch einer Art «lean management»,
zumal keine fremden Kräfte eingebaut wurden und auch nicht numerisch
aufgestockt wurde. Und für die Reorganisation musste nicht einmal eine
teure, externe Beratungsfirma beigezogen werden. Wobei vielleicht
Konzernleiter Thomas Knecht, ein langjähriger McKinsey-Manager, gratis
Ratschläge erteilte
Nun stellt sich die Frage, was Geissberger mit der gewonnenen Zeit
anfangen wird. Zurzeit erzielt er mit gegen 200 Mitarbeitern einen
Umsatz von über 177 Mio. Franken. Das Ziel muss sein, weiter organisch
zu wachsen. Zukäufe sind zwar nicht ausgeschlossen. Doch im TO-Bereich wie auch im Retailing in der Schweiz lassen sich kaum
mehr grosse Fische an Land ziehen. Mal sehen, ob Geissberger die
zusätzliche Zeit für überraschende Schachzüge zu nutzen
vermag.



