Kommen Verträge auf den Prüfstand? (Ausgabe 2008-24)

Simon Benz über die Entwicklung in der Vorzugspreisdebatte

Die Verträge zwischen Swiss und drei von vier GDS sind unterzeichnet
und auch der SRV kann in Anbetracht der Null-Gebühren von Sabre,
Galileo und Worldspan mit seiner Leistung zufrieden sein.
Verbandspräsident Hans-Jörg Leuzinger hat mit seinem Engagement, seiner
Standhaftigkeit – er selbst bezeichnet sich als «Wadenbeisser» – und
viel Herzblut massgeblich zur heutigen Situation beigetragen.

Neben der noch offenen Amadeus-Lösung steht noch ein
Preferred-Fares-Vertrag im Raum, dessen Sinn dem SRV nicht einleuchten
will. Durch eine Vertragsklausel kann scheinbar nicht ausgeschlossen
werden, dass die Gebühren im Laufe der Vertragsdauer erhöht werden. Und
genau dies ist dem SRV ein Dorn im Auge. Aus Sicht der Reisebüros
stellt sich tatsächlich die Frage, inwiefern solche Verträge überhaupt
notwendig sind, beziehungsweise warum sich Swiss nicht auf Gebühren
festlegen kann oder will, die über die ganzen Vertragsdauer Gültigkeit
haben.

Eine Klausel über sich möglicherweise verändernde Tarife schürt die
Unsicherheit und die Skepsis der Branche gegenüber Swiss. Das ist
verständlich, denn auf Basis einer Null-Gebühr können die Preise nur
noch nach oben angepasst werden. Eine kritische Haltung der Reisebüros
gegenüber Swiss und die Frage, was die Airline mit den Verträgen im
Schilde führt, hätte damit seine Berechtigung.

Das einzige GDS, für welches die beiden Airlines Swiss und Lufthansa
noch keine Lösung gefunden haben, ist Amadeus. Das Unternehmen dürfte
vor allem in Deutschland, wo es die Marktführerschaft für sich
beansprucht, ganz schön unter Druck geraten. Darum ist anzunehmen, dass
es auch mit dem letzten GDS im Bunde eine Einigung geben wird, in
welcher Form auch immer. Dass es nicht die Aufgabe des SRV ist, mit den
Airlines und den GDS die Verträge auszuhandeln, liegt auf der Hand.
Inwiefern sich aber der Verband in vermittelnder Funktion in die
Diskussion zwischen Swiss und Amadeus einbringen kann, wird sich wohl
in den kommenden Wochen zeigen.

Harry Hohmeister bleibt vorerst noch hart wie Granit und hält an der
Vertragsunterzeichnung der Reisebüros fest. Leuzinger seinerseits
ersucht die Swiss, die Verträge in der Geschäftsleitung zu diskutieren,
die Gebühren über die Dauer der Verträge festzulegen oder
gegebenenfalls komplett auf die Verträge zu verzichten.
Nun bleibt abzuwarten, wer sich durchsetzten kann: Wadenbeisser oder Granit.