Kommt jetzt die grosse Konsolidierung? (Ausgabe 2012-06)

Pleiten statt Profite – 2012 wird zum Prüfstein für Airlines

Die grosse Deregulierung im Airline-Business, welche 1978 erfolgte, hat spektakuläre Konsequenzen gezeitigt: Heute ist das Angebot an Flugzielen -weltweit gigantisch, währenddem Fliegen so billig -geworden ist, dass es sich fast jeder leisten kann. Das Passagieraufkommen ist entsprechend hoch. 

Doch unkontrolliertes Wachstum hat auch seinen Preis: Es mischen zu viele mit. Allein in der IATA sind 240 Fluggesellschaften vereint, weltweit gibt es wohl noch rund 300 mehr. Diese Airlines streiten sich um die Passagiere der 196 Länder dieser Welt. Globale Auto- oder Pharmakonzerne gibt es im Vergleich dazu viel weniger. Mit dem enormen Wachstum haben die Infrastruktur und der Service nicht immer mithalten können: Verlorenes Gepäck, Verspätungen, Warteschlangen und versteckte Zuschläge kosten heute viele Passagiere einiges an Nerven.

Airlines sind hartem Wind ausgesetzt. Die Preise bleiben nicht zuletzt wegen Low-Cost-Konkurrenz tief, und dies in einer kapitalintensiven Branche. Die Treibstoffkosten sind ins Unermessliche gestiegen; alternative Treibstoffe sind noch nicht marktreif. Und trotz Deregulierung gibt es noch Airlines, welche staatliche Unterstützung erhalten oder mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen operieren, was zu Wettbewerbsverzerrungen führt.

Überleben kann in diesem Umfeld nur, wer kritische Grösse hat, finanziell solid aufgestellt ist und seine Kernmärkte einigermassen schützen kann. So ist ein Vernichtungskampf in Gang. Kaum ist Malev gegroundet, stürzen sich (bisher) acht Airlines auf die Malev-Verbindungen ab Budapest.

So ist damit zu rechnen, dass es zu weiteren Übernahmen oder gar Pleiten kommen wird. In diesem Zusammenhang kommt auch wieder die Frage nach Insolvenzschutz für die Kunden auf. Passagiere mit «Seat only»-Tickets sind im Gegensatz zu Pauschalreisenden völlig ungeschützt. Eine Insolvenzabsicherung der Airlines wäre nötig – würde aber auch wieder Kosten verursachen. 

Konsolidierung schmerzt, hat aber auch Gutes. Die reorganisierten US-Carrier haben zuletzt positive Zahlen geschrieben und konnten Schulden -abbauen. Nun sind weitere dran.