Kulturwechsel À tout Prix (Ausgabe 2008-07)

Jean-Claude Raemy über die Reorganisation bei Hotelplan

Thomas Stirnimann strebt mit dem neuen Konstrukt «M-Travel Switzerland»
nichts weniger als die Marktführerschaft in der Schweiz an. Diese
schlichte Zielvorgabe entspricht an sich schon einer Revolution: Bis
vor kurzem war man in Glattbrugg stets recht zufrieden mit der soliden
Stellung als Nummer zwei im Markt.

Doch nun weht ein anderer Wind – und der ist dringend notwendig. Drei
Reorganisationen in ebenso vielen Jahren hatten nämlich wenig bis gar
nichts gebracht. Worte wie «Matrix-Struktur» werden heute in Glattbrugg
nur noch für zynische Scherze verwendet. TUI Suisse holte rasch auf.
Kuoni schnappte Hotelplan einige Spezialisten vor der Nase weg, bevor
der Coup mit Travelhouse gelang, durch welchen letztlich Thomas
Stirnimann ins Boot kam.

Radikale Änderungen konnte oder wollte Peter Spring nicht durchsetzen,
was ihm letztlich wohl zum Verhängnis wurde. «Zu nett», lautet
vielerorts das Urteil, welches lange Zeit auch über die ganze
Hotelplan-Gruppe gefällt wurde. Das Gespann Zuber/Stirnimann räumt
damit auf und schneidet rigoros «alte Zöpfe» ab. Altgediente
«Hotelplänler» – die Namensliste wird bestimmt noch länger werden –
wurden und werden oft durch neue, extern zugezogene Manager ersetzt.

Auch das ein Kulturwechsel: Bei Hotelplan wurden traditionell oft
eigene Kräfte nachgezogen. Dies dürfte auf unteren Stufen so bleiben,
derweil sich die «überlebenden» Hotelplan-Kader mit der neuen Gesinnung
anzufreunden scheinen. Stirnimann ist seinerseits bemüht, mittels
unzähliger persönlicher Gespräche die Gefolgschaft von der Richtigkeit
seiner Marschrichtung zu überzeugen.

Augenfällig ist dabei nicht nur die Vereinheit-  lichung
(geografisch, in der Technologie, etc.), sondern auch die neue
Terminologie: Stirnimann hört den Begriff «Glaspalast in Glattbrugg»,
nicht gerne. Er hätte es lieber, wenn das nun besser ausgelastete
Gebäude als «Powerhouse» im Markt bekannt ist. Christof Zuber bemüht
Vergleiche mit Rennbooten, Roberto Luna solche aus der Formel 1. Tempo
sowie Kraft sind die neuen Maximen.

Hohes Tempo legt Stirnimann auch bei der Reorganisations-Rosskur vor.
Der «work in progress» fordert zwangsläufig Opfer: Bei Esco,
Travelhouse und Hotelplan gleichermassen. Stirnimann hat bis August
Zeit, um herauszufinden, wer mit ihm am gleichen Strick zieht. Wie
lange er wohl Zeit hat, um das Unternehmen richtig profitabel zu
machen?