In den letzten Wochen haben zahlreiche Retailer festgestellt, dass
Preisabfragen von Kuoni- und Helvetic-Produkten im System Cets sehr
lange Wartezeiten verursachen; teils wurde auch von System-Abstürzen
berichtet.
So haben Iwan Berger (Hauger Altdorf), Reto Christoffel (Destour
Sargans) oder Jörg Waldvogel (Chrisway St. Gallen) festgestellt, dass
Kuoni-Buchungen im Cets länger dauern als bei anderen TOs. Rolf
Helbling (Helbling Gossau) meint, dass Cets grundsätzlich oft langsam
war bei Kuoni aber noch eine Spur langsamer und mühsamer: «Wir
hörten, dass der Grund bei Traviaustria liege.» René Blum (Parade
Zürich) schildert ebenfalls Probleme mit Response-Zeiten und Abstürzen:
«Die Langsamkeit hatten wir als gegeben angenommen, da
Hauptbuchungszeit ist. Da wir aber auch bei Travelhouse-Anfragen immer
wieder lange Response-Zeiten hatten, nahmen wir an, dass es ein
generelles Problem ist.»
Alle fünf sind der Meinung, dass es «noch im Rahmen» sei; sie haben
sich folglich geduldig gezeigt, wurden bei Kuoni nicht vorstellig und
buchten die Produkte weiter. «Es wurde vermehrt zum Telefon gegriffen
oder halt selbst kalkuliert aufgrund Prospektangaben», meint etwa Blum.
Konrad Rüegg (Konrad Hinwil) hat allerdings keine Geduld mehr:
«Das Problem dauert nun schon das ganze Jahr an!» Er wurde deshalb bei
Kuoni und bei Travelport, dem Betreiber von Cets, vorstellig. Zur
Antwort gab es von Kuoni, dass das Problem erkannt sei und daran
gearbeitet werde. Travelport meinte gegenüber Rüegg, dass die
Geschwindigkeit abhängig vom Zugriff der Reisebüros sei, und weil alles
vom gleichen Kuoni-Rechner aus gesteuert sei, sei womöglich ab und zu
der Server überlastet. Kuoni-Insider melden, dass es beim hauseigenen
TO-System Komet noch schlimmere Wartezeiten gebe.
Auf Nachfrage von TI meint Kuoni-Sprecher Peter Brun: «Aufgrund der
stärkeren Buchungsnachfrage, was grundsätzlich erfreulich ist, ist das
System stärker belastet. Wir kennen diese Situationen jeweils zu Beginn
des Jahres bereits aus den Vorjahren. Dabei kommt es aktuell in der
Schnittstelle zwischen Cets und dem alten Buchungssystem Komet zu einem
Datenstau. Wir haben bereits Massnahmen ergriffen, um diese Staus zu
beheben. Weitere Verbesserungen werden vorgenommen, sodass das System
in Kürze wieder normal läuft. Die Agenten werden in unseren Sales News
darüber auf dem Laufenden gehalten.»
Konrad Rüegg ist nicht beruhigt. Für ihn hat die Langsamkeit klar mit
den neu eingeführten Tagespreisen zu tun, welche den
Kuoni-Zentralrechner belasten: «Schön, dass Kuoni ohne Preislisten
operieren will, aber da sollte man daran denken, die Kapazitäten des
Rechners auszubauen! Agenten müssen jeden kleinsten Zuschlag über Cets
oder Internet nachschauen. Für mich ist es mühsam, so zu arbeiten, denn
ich muss den Kunden lange Wartezeiten zu- muten.» Es ärgert ihn, dass
das Problem trotz mehrmaliger Intervention seinerseits bis heute nicht
behoben wurde: «Man lässt den Agenten hängen. Von partnerschaftlicher
Zusammenarbeit kein sichtbares Zeichen!»
Travelport-Chef Chris Dorner erklärt: «Wir kommentieren generell keine
pauschalen Berichte, auch nicht über die Systemperformance. Wir stehen
bei solchen Fällen immer in direktem Kontakt mit unseren Kunden und
Partnern. Diese erhalten jederzeit eine fachlich fundierte Auskunft
durch unsere Supportorganisation.»
Jean-Claude Raemy



