Lehren aus dem Swissair-Grounding gezogen (Ausgabe 2011-40)

HANSJÖRG BÜRGI, CHEFREDAKTOR DES LUFTFAHRTMAGAZINS SKYNEWS.CH

Anfangs Oktober 2001 stand die Swissair still – das für viele Unfassbare war geschehen. Und noch viel schlimmer: Das Swissair-Grounding reihte sich in eine Serie tragischer Ereignisse. Nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA tötete ein Attentäter am 27. September im Zuger Parlament 14 Politiker. Am 24. Oktober starben bei einem Zusammenstoss zweier Lastwagen im Gotthardtunnel elf Menschen. Einen Monat später riss der Crossair-
Absturz bei Bassersdorf 24 Personen in den Tod. Zehn Jahre später darf man getrost feststellen, dass sich seither eine ähnliche Unglücksserie nie mehr ereignet hat. 

Und die Schweizer Luftfahrt? Es vergingen Jahre, bis sie sich von diesem Schock erholte. Doch die Schweizer Aviatik hat die Lehren gezogen, einerseits aus den Unfällen von 1998 (Swissair 111), 2000 (Crossair in Nassenwil) und 2001 (Crossair in Bassersdorf), andererseits auch aus dem Swissair-Grounding. Es war für viele Involvierte eine sehr, sehr fordernde Zeit. 

Doch heute steht der Flughafen Zürich als die treibende Kraft in der Schweizer Zivilluftfahrt besser denn je da. Und das trotz europaweit einzigartigen Einschränkungen für einen Airport in dieser Grösse. Zum Erfolg des Luftfahrtstandortes Schweiz trägt auch die Swiss bei, die im nahen und fernen Ausland immer noch oft als «Swiss-Air» betitelt wird. Zwar gehört sie mittlerweile der Lufthansa, aber Tausende und somit das Gros ihrer Arbeitsplätze befinden sich nach wie vor in der Schweiz. Nicht von ungefähr beziffert die neuste Infra-Studie die Wertschöpfung der Schweizer Luftfahrt auf über 30 Milliarden Franken pro Jahr. Bei praktisch gleich vielen Flugbewegungen wie vor zehn Jahren ist die Effizienz des Luftverkehrs massiv gesteigert worden – auch dank der Lehren aus dem Swissair-Grounding und der danach folgenden Krise.

Die Schweizer Luftfahrt ist also krisenerprobt. Aber derzeit wird wieder einmal mit dem politischen Feuer gespielt. Mit der  Zürcher Behördeninitiative und dem noch radikaleren Gegenvorschlag werden dem Flughafen dringend notwendige Entwicklungsmöglichkeiten geraubt. Nicht heute, aber morgen. Und die Konkurrenz schläft nicht. Eine weitere, per Volksabstimmung herbeigeführte Krise braucht es wirklich nicht. Ein Grounding reicht.