Leiden die Reisebüros an einem Image-Problem? (Ausgabe 2013-44)

Die Reisebüro-Branche ist sich in dieser Frage uneins.

Vor zwei Wochen machte TI die Entwicklung der TO-Kommissionen zum Thema und stellte die Frage «Müssen Reisebüros bald höhere Servicehonorare verlangen, um sinkende Kommissionen zu kompensieren?» Die Pendlerzeitung «20 Minuten» griff den Bericht auf und erntete zahlreiche Online-Kommentare. 

Aussagen wie «Wer heute noch ins Reisebüro geht, ist selber schuld!» oder «Ich finde im Internet die besseren Angebote zu einem faireren Preis als im Reisebüro» sind keine Seltenheit. Steht es tatsächlich so schlecht um das Reisebüro-Image?

Mit einem klaren «Nein» antwortet Hans-Jörg Leuzinger (BSR Reisen): «Wer gut beraten wird, bleibt dem Reisebüro in irgendeiner Form verbunden.» Betty Tobler (Bolero) geht zwar nicht von einem Image-Schaden aus, räumt jedoch ein: «Die Reisebranche ist gegenüber dem Internet machtlos. Heute zählt für viele Kunden nur noch der Preis.»

Ähnlich sieht dies Thomas Brezger (Coronita Holidays): «Leider ist das Kundenbewusstsein heute so, dass im Netz alles billiger sei, was natürlich nicht stimmt. Es gibt aber immer noch Kunden, welche eine Beratung sowie einen Ansprechpartner schätzen.» Harry-Louis Beringer (Forchbahn) konstatiert: «Die ‹Geiz ist geil›-Werbung ist auch auf die Reisebranche übergeschwappt. Man muss die Produkte heute anders verkaufen.» 

Einen klaren Imageschaden sieht Hanspeter Scheller (Travel Station), der seit über drei Jahren eine Beratungsgebühr erhebt: «Man hat in der Reisebranche lange den Anschluss verpasst, im Gegensatz zu den Internetportalen.» Und auch Hanspeter Pfändler (Hampis Travel Service) bezeichnet das Image der Reisebüros als oftmals falsch: «In der heutigen Zeit, wo fast alles günstig oder billig sein muss, haftet dem Reisebüro das Etikett ‹teuer› an.»

Von den Online-kommentaren wenig beeindruckt zeigt sich SRV-Geschäftsführer Walter Kunz: «Diese Reaktionen sollten nicht überbewertet werden, da gerade die Verfasser dieser negativen Feedbacks ohnehin nicht im Reisebüro buchen.» Nicht selten wird von den Reisebüros ein Handeln vonseiten des SRV gefordert, z.B. in Form einer Image-Kampagne. Eine solche Werbekampagne lasse sich laut Kunz heute aber nicht mehr finanzieren, darum fokussiere der Verband vorrangig auf den PR-Bereich.