Löhne steigen 2012 vor allem für die tiefen Salärstufen (Ausgabe 2011-50)

Die Reisebranche erwartet ein schwieriges Jahr, glaubt aber, gut gewappnet zu sein.

Nach einem schwierigen Jahr für die Reisebranche stellt sich wohl mancher Mitarbeiter die Frage, ob der negative Trend auf die Saläre durchschlägt und ob (weitere) Massnahmen im Personalbereich anstehen. Grundsätzlich geben sich die «Big 5» der Reisebranche optimistisch für 2012 und weisen darauf hin, dass man die notwendigen Vorkehrungen so weit möglich bereits getroffen habe. Die Preise für Pauschalreisen liegen allgemein 10 bis 15% unter Vorjahr, die bisherige Buchungslage für 2012 sehe aber erfreulich gut aus. Bei Knecht Reisen, wo nur modular operiert wird, wurde das Budget 2012 laut CEO Roger Geissberger um 5% reduziert, doch liege man bisher 6% über Vorjahr.

TUI Suisse setzt laut Sprecher Roland Schmid vor allem auf «einen Ausbau des eigenkontrollierten Online-Vertriebs und einen höheren Automatisierungsgrad». Kuoni Schweiz profitiert laut Sprecher Peter Brun derweil von Synergien innerhalb der Division Outbound Europe der Kuoni-Gruppe, welche finanziell kerngesund sei.

Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin erinnert daran, dass Hotelplan Suisse «die Organisation des Unternehmens zielgerichteter auf den Verkauf ausgerichtet hat» und somit für 2012 gewappnet sei. Globetrotter-CEO André Lüthi sieht für 2012 grosse Herausforde-rungen, sagt aber: «Unser Zeithorizont ist nicht das nächste Quartalsresultat, sondern die langfristige Entwicklung mit dem Ziel, soziale Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg zu vereinen.»

Was bedeutet dies für die Löhne? In den Genuss von Erhöhungen kommen offenbar vor allem die tiefen Lohnstufen. Dazu Schmid: «TUI Suisse wird für 2012 eine Salärrunde vor allem im tieferen Salärsegment machen. Für individuelle Anpassungen im unteren Salärbereich ab rund 4000 Franken setzen wir rund 0,5% der Lohnsumme ein.» Das Kader geht leer aus.

Ähnlich klingt es bei Lüthi: «Da Globetrotter 2011 die Löhne um 2,3% erhöhte, kommt es für 2012 nur für die Saläre bis 4500 Franken zu einer Erhöhung. Wir schütten 1% der Lohnsumme leistungsbezogen aus.» Und auch bei Hotelplan Suisse wird erhöht: «Die Gesamtlohnsumme wird für Lohnerhöhungen per 1. Januar 2012 um 1% erhöht», so Huguenin, «die Lohnerhöhungen erfolgen individuell, es besteht kein genereller Anspruch auf eine Lohnerhöhung; die Kaderangehörigen werden analog behandelt.» Im Vorjahr hatte es bei Hotelplan Suisse eine Lohn-Nullrunde gegeben.

Bei Kuoni wird wie üblich erst nach Vorliegen des Jahresabschlusses im März über Lohnanpassungen entschieden. Sicher sei, dass bei Lohnerhöhungen nicht nach Mitarbeiterstufe unterschieden werde und auch nicht nach dem Giesskannenprinzip Lohnerhöhungen gewährt würden. Auch Knecht Reisen wird erst im Juli die neue Lohnrunde bekannt geben; diese wird laut Geissberger vom Geschäftsverlauf im ersten Semester 2012 abhängig sein.

Jean-Claude Raemy

Keine weiteren Massnahmen zur Kostensenkung geplant

TUI Suisse sorgte für Aufsehen, als im September die Mitarbeitenden aufgefordert wurden, unbezahlten Urlaub (UBU) zu nehmen. Dies war Teil eines anhaltenden Sparprogramms. Mehr sei zurzeit nicht geplant, so Sprecher Roland Schmid. 

Kuoni hat bereits ab Februar aufgrund der Nordafrika-Krise vakante Stellen nicht mehr besetzt und konnte laut Sprecher Peter Brun deshalb auf UBU verzichten: «Dennoch animierten wir dieses Jahr Mitarbeitende für UBU.» So wurde dies auch bei Knecht Reisen gehandhabt. Kurzarbeit ist bei diesen beiden Firmen kein Thema.

Auch bei Hotelplan sind UBU bzw. Kurzarbeit laut Sprecherin Prisca Huguenin momentan kein Thema, zumal im Oktober eine Strukturänderung stattgefunden hat.

André Lüthi (Globetrotter) erklärt: «Sollten wir 2012 massive Umsatzeinbussen verzeichnen, müssten auch wir die Kosten der Marktlage anpassen. Entlassungen wären bei uns aber die allerletzte Massnahme.»

JCR

Strukturwandel hinterlässt Spuren bei der Anzahl Stellen

Wie viel Personal ist bei den Big 5 im Vorjahresvergleich angestellt? Abgebaut haben vor allem Kuoni und Hotelplan. Per 30.9.2011 lag die durchschnittliche Mitarbeiterzahl bei Kuoni Schweiz in Vollzeitstellen (FTE) bei 1093 (Vorjahr: 1150) inklusive Spe-zialisten. Der Hauptteil des Rückgangs sei auf Tätigkeiten am Hauptsitz zurückzuführen.

Bei Hotelplan reduzierte sich der absolute Mitarbeiterbestand von 980 per Ende 2010 auf 969 per Ende 2011. Auch hier hat sich der Anteil der Angestellten im TO gegenüber jenem im Retailing verringert (neu 51% im Vertrieb, 32% im TO und 17% in restlichen Bereichen).

TUI hielt die Personalzahl stabil – per 1.1.2012 gibt es 407 FTE, analog dem Vorjahreswert, wovon 217 FTE aufs Retailing (Vorjahr 216) und 190 aufs TO/Corporate Center (Vorjahr 191) entfallen.

Globetrotter ist weiter auf Wachstumskurs. Waren es am 1. Januar 2011 noch 243 Mitarbeitende (211,45 FTE), davon 178 in Verkaufsstellen und 65 im Head Office, waren es per 1. Dezember 2011 248 Mitarbeitende (219,4 FTE), davon 182 in Filialen und 66 im Head Office.

Bei der Knecht Reisen AG reduzierte sich die Mitarbeiter-Gesamtzahl um 2 FTE auf aktuell 170 Personen bzw. 113 FTE.

JCR