Letzte Woche hat Lufthansa (LH) bekannt gegeben, dass der gesamte innerdeutsche und europäische Verkehr der Lufthansa, welcher nicht von und zu den Hubs Frankfurt und München führt, per 1. Januar 2013 kommerziell und organisatorisch mit der Low-Cost-Tochter Germanwings in einer Gesellschaft auf Basis der Germanwings GmbH in Köln zusammengeführt wird. Die neue Airline wird Teil des Lufthansa-Airline- Verbunds sein und die Flotte von Germanwings, der Lufthansa «Direct Services» und der Eurowings GmbH umfassen, total also rund 90 Flugzeuge. Die Entscheidung über den künftigen Markennamen wird erst in den kommenden Monaten fallen; intern ist der neue Low-Cost-Carrier unter dem Projektnamen «Direct4U» bekannt. Das erklärte Ziel der Lufthansa: «Effizienzpotenziale» ausnutzen und den innerdeutschen bzw. inner-europäischen Verkehr wieder profitabel machen. Dabei werden im Rahmen des Ergebnis-verbesserungsprogramms Score bekanntlich auch die Flüge im «Nachbarschaftsverkehr» zwischen Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien besser aufeinander abgestimmt.
Zurzeit laufen bereits Tests auf zwei nicht genannten Strecken, bei denen eine Airline eine Strecke, welche von mehreren Lufthansa-Verbund-Airlines angeboten wird, vollumfänglich steuert, also die alleinige Verantwortlichkeit für Pricing, Revenue, Yield und Capacity Management übernimmt.
«Das heisst nicht, dass es zu Streckenstreichungen und Kapazitätsredukti-onen kommt», betont Lufthansa-Sprecher Boris Ogursky, «sondern es soll eine gleichmässige Staffelung des Angebots auf einer Strecke erzielt werden, bei möglichst gleich bleibendem Sitzplatzangebot.» Dabei könne es aber sein, dass zwei nahe aufeinanderfolgende Flüge zu einem Flug mit grösserem Fluggerät zusammengenommen werden.
Einfach formuliert: Auf 12 Strecken zwischen Zürich, Frankfurt, München, Wien, Brüssel sowie Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und Köln, wo zwei oder mehr LH-Verbund-Carrier fliegen, soll das Angebot effizienter gestaltet werden über den ganzen Tag verteilt und nachfrageoptimiert. Im DeutschlandÖsterreich-Verkehr wurden bereits Massnahmen ergriffen; in der Schweiz gibt es ebenfalls «Absprachen», z.B. indem Swiss alleine von ZRH nach Berlin fliegt und LH alleine von Genf nach Berlin. Es geht nun darum, die Kundenfreundlichkeit weiter zu verbessern und die Erträge zu optimieren. Bis Sommer 2013 sollen die konzernübergreifenden Massnahmen umgesetzt sein.
Die Ertragsoptimierung ist umso wichtiger, als die Lufthansa aufgrund der Streiks Anfang September empfindliche Einbussen hinnehmen musste. 1737 Flüge wurden annulliert, auf welchen 187614 Passagiere gebucht waren. Die entstandenen Kosten liegen laut Ogursky «im zweistelligen Milli-onenbereich»; Näheres dürfte bei der Präsentation der Neunmonatszahlen im Oktober bekannt gegeben werden.
Weitere Massnahmen im Rahmen von Score, welche allein den Schweizer Markt betreffen, sind Ogursky in Bezug auf LH nicht bekannt.
Jean-Claude Raemy



