Malev konzentriert sich auf Europa und erneuert die Flotte (Ausgabe 2008-32)

TI hat mit Pascale Axtell, seit 1. Juli Country Commercial Manager von Malev Schweiz, gesprochen.

Frau Axtell, wie entwickeln sich die Passagier- und Umsatzzahlen?

Von Januar bis Mai bewegen sich sowohl Passagier- als auch
Umsatzzahlen auf dem Niveau der Vorjahresperiode. Die Passagierzahl ist
nur ganz minim hinter dem Vorjahr. Der Sitzladefaktor liegt mit 65%
leicht höher als 2007. Aber wir haben in dieser Zeit 13,5% mehr
Kapazität angeboten. Das heisst, dass der Markt Schweiz recht stabil
ist.

Fliegen mehr Passagiere zielrein nach Budapest oder mit Umsteigen weiter?

Betrachten wir den Point of Sale Schweiz, befördern wir ungefähr
48% der Passagiere zielrein nach Budapest, die restlichen 52% steigen
dort um und fliegen weiter. Ganz anders sieht es aus, wenn wir –
ungeachtet des Point of Sale – die Flüge aus der Schweiz nach Budapest
anschauen. So gerechnet haben wir mehrheitlich Point-to-Point.
Die Monate Juli und Dezember sind traditionellerweise starke Monate im
Umsteigeverkehr. Aufs ganze Jahr gesehen, wird die Zahl der
Umsteigepassagiere also noch zunehmen.

Ab Winter wird Malev ab Genf von Swiss konkurrenziert. Wie schwierig ist diese Situation für Sie?

Es wird sicher nicht einfach. Allerdings wird Swiss nur viermal
pro Woche von Genf nach Budapest fliegen. Wir bedienen diese Strecke
fast jeden Tag zweimal – es wird gewisse Änderungen im Flugplan geben,
die aber noch nicht bestätigt sind. Der Passagier hat also bei uns mehr
Möglichkeiten. Ab Genf haben wir zum Beispiel sehr viel Verkehr nach
Tel Aviv, Damaskus und Beirut. Diesen Umsteigeverkehr kann Swiss nicht
bieten. Zudem ist Malev im Westschweizer Markt etabliert.

Welches sind die beliebtesten Destinationen mit Umsteigen in Budapest?

Die sechs best genutzten Möglichkeiten führen nach Bukarest,
Odessa, Kiew, Damaskus, Beirut und Tirgu Mures. Odessa beispielsweise
ist im vergangenen Jahr sehr stark aufgekommen.

Wird es Änderungen im Streckennetz von Malev geben?

Ja, wir werden uns ab Winterflugplan voll auf unser Streckennetz
in Europa konzentrieren und die Langstrecke – zurzeit fliegen wir New
York und Toronto an – aufgeben. Dies hat nicht zuletzt mit der
aktuellen Situation der hohen Kerosinpreise und der Verlangsamung der
Weltwirtschaft zu tun. Innerhalb der Oneworld-Allianz haben wir auf den
Strecken nach Nordamerika gute Partner und beispielsweise ein
Codeshare-Abkommen mit American Airlines. Zentral- und Osteuropa ist
unsere absolute Stärke, und darauf werden wir uns fokussieren.

Welche Auswirkungen hat dieser Schritt auf Ihre Flotte?

Die zwei Boeing B767 werden wir abstossen, weil wir diese
Maschinen ab Winterflugplan nicht mehr benötigen. Es gibt aber auch
Neuerungen in der Kurz- und Mittelstreckenflotte. Malev wird bereits im
Winter neu vier Bombardier Q400 einsetzen. Je vier weitere Q400 werden
2012 und 2013 dazu stossen. Zusammen mit den getätigten Optionen kann
die Q400-Flotte bei uns innerhalb der nächsten fünf Jahre auf bis zu 12
Maschinen steigen. Die Q400 ist ein sehr umweltfreundliches Flugzeug,
das wenig Kerosin verbraucht und gleichzeitig schnell und leise
unterwegs ist – also ein sehr zeitgemässes Flugzeug. Ob die Bombardier
auf den Strecken in die Schweiz eingesetzt wird, steht noch nicht fest.

Die Erhöhung der Treibstoffzuschläge ist im Moment ein grosses Thema. Wie löst Malev dies?

Bei uns läuft es etwas anders als bei den meisten Konkurrenten,
weil wir punktuelle – und nicht generelle – Anpassungen der
Treibstoffzuschläge implementieren. Es handelt sich meistens um
Anpassungen von zwei bis drei Franken, je nach Strecke und Situation.

Zu Ihnen persönlich: Man kennt Sie in
der Branche als Schweiz-Chefin von South African Airways. Nun sind Sie
seit einem guten Monat bei Malev. Welchen Bezug haben Sie zu Ungarn und
generell Mittel- und Osteuropa?

Ich kannte Mittel- und Osteuropa persönlich überhaupt nicht.
Kürzlich war ich während einer Woche an unserem Hauptsitz in Budapest.
Das war meine erste Reise nach Ungarn. Aber das ist genau, was mich
besonders reizt an meiner neuen Aufgabe: neues zu entdecken und neues
zu lernen
.

Wie war Ihr erster Eindruck von Ungarn?

Budapest ist eine wunderschöne Stadt, es gibt ausgezeichnetes
Essen und sehr guten Wein. Und die Ungaren haben es mir von Beginn weg
angetan. Ich wurde aufgenommen wie in einer Familie, und so fühlte ich
mich gleich bestens aufgehoben – absolut toll!
Es gibt einige Destinationen in unserem Streckennetz, die ich unbedingt
besuchen will, zum Beispiel Odessa. Nun habe ich die Chance, neue
Länder kennenzulernen, das will ich auch
machen. Ich werde sicher in nächster Zeit auch Ungarn bereisen.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Die geschäftlichen Ziele liegen auf der Hand: mehr Revenue,
einen höheren Load Factor und einen möglichst hohen Profit auf den
Routen ex Schweiz.
Persönlich will ich mich stark mit den Ländern in Mittel- und Osteuropa
auseinandersetzen. Zudem will ich die guten Beziehungen im Markt, die
Malev jetzt schon hatte, aufrechterhalten und auch meine eigenen
Beziehungen einbringen. Faire Partnerschaften und Win-win-Situationen
sind mir sehr wichtig.

Wie wichtig ist die Tatsache, dass Ungarn in der Schweiz ein Fremdenverkehrsamt hat?

Das ist enorm wichtig. Aus meiner früheren Tätigkeit weiss ich,
wie es ist ohne Fremdenverkehrsamt, kenne aber auch die Situation mit
einer Vertretung in der Schweiz. Zusammen ist man viel stärker als
alleine. Eine Airline muss Passagiere von A nach B transportieren, hat
aber nicht die Ressourcen für die alleinige Vermarktung einer
Destination. Dafür ist ein Fremdenverkehrsamt Gold wert.

Chris Probst