Mehr als ein Lifting für Kuoni (Ausgabe 2008-21)

Sara Marty über Kuonis neuen Markenauftritt

Alles neu macht der Mai bei Kuoni. Neuer Schriftzug, neue Bildsprache,
neue Kataloge, neue Produktelinien, neuer Flagship Store und neues
Filialkonzept. Und das weltweit. Ob Belfast, Chur oder Delhi, Kuoni
kommt in Zukunft überall gleich daher. Kein Wunder müssen alle
Angestellten auf der Welt mittels des sogenannten Brand Campus auf den
neuen, einheitlichen Stil getrimmt werden. So mancher dürfte dabei
staunen, für welche Werte und Ideale er fortan einzustehen hat.

Geplant ist der neue Auftritt von langer Hand, mit der Eröffnung des
Flagship Store am Zürcher Bellevue tritt die Arbeit am Brand nun in
eine neue Phase. Das Programm muss sich bewähren und das abstrakte
Konzept muss zur erlebbaren Marke werden. Und vor allem: Die Produkte
in der neuen Verpackung müssen sich verkaufen. Denn der Druck auf Kuoni
ist nach wie vor gross, ganz besonders in der Schweiz. Umsatz muss her,
und der wird offensichtlich mit Klasse statt Masse angesteuert. Auch
die langwierige Reorganisation mit der kritisch beäugten
Spartenaufteilung hat die Bewährungsprobe noch nicht bestanden. Die
jetzt gefahrene Offensive trägt dabei zur klaren Abgrenzung der
Style-Sparte bei.

Ansprechend ist er, der Flagship Store, wenn auch von aussen kaum zu
sehen, weil er richtiggehend in der prachtvoll restaurierten Fassade
des historischen Bellevue-Hauses verschwindet. In dem unaufgeregten,
warmen Ambiente lässt man sich gerne diverse Reisevarianten vor Augen
führen und die Annehmlichkeiten guter Hotels aufzeigen.

Ein Begriff schwebt über allem: Premium. Kuoni will «führender
Reiseveranstalter im Premium-Segment» sein, die visuelle Sprache soll
mit «selbstbewusster Vornehmheit anspruchsvolle Kunden» ansprechen, und
die «weltläufige Eleganz» des neuen Schriftzuges drücke den
Exklusivitäts-Anspruch aus.

Bleibt die Frage, was Kuoni mit den Schweizern vorhat, die sich nicht
während eines Kultur-Kurztrips mit avantgardistischen Künstlern
unterhalten oder auf Island geothermischen Vorträgen lauschen, sondern
schlicht Badeferien buchen wollen. Werden Sie an die Marke Helvetic
Tours verwiesen, deren Zukunft an einem seidenen Perlenfaden hängt?
Oder wagt der potenzielle Kunde, eingeschüchtert von so viel Lifestyle
und Design, sowieso nicht mehr, den banalen Wunsch nach Entspannung am
Strand zu äussern?