Die Kuoni-Umstrukturierung kommt für Insider nicht aus heiterem Himmel und doch erstaunt der Zeitpunkt der Kommunikation. Mutig ist diese Wende zu Lasten der regionalen Organisation allemal. Kuoni-CEO Armin Meier läuft Gefahr, während der Dauer der Überführung in die neue Struktur viel an Dynamik zu verlieren. Für die Umstrukturierung gibt sich Kuoni ein ganzes Jahr Zeit. Wie Kuoni Schweiz in Zukunft organisiert sein wird, ist offenbar auch intern noch unklar. Der Einschnitt wird bei Kuoni Schweiz Irritationen, aber womöglich auch da und dort Freude auslösen. Roberto Luna, Chef Kuoni Schweiz, hat jedenfalls eine harte Zeit vor sich. Im traditionell wichtigsten Kuoni-Auslandsmarkt UK seit jeher der Gewinn-Zulieferer schlechthin ist es bereits zum Eklat gekommen: Die Peter-Diethelm-Nachfolgerin Sue Biggs, eine absolute Kapazität auf der Insel, hat Kuoni per sofort verlassen. Hier hat Konzernchef Meier ein veritables Problem.
Tatsache ist, dass die Schweiz innerhalb des Konzerns an Bedeutung verliert. Denn der Schweizer Markt, mit nahezu einer Milliarde Umsatz zwar nach wie vor ein Kuoni-Standbein, hat bei weitem nicht mehr das Wachstumspotenzial wie andere Märkte. Wie sein Kuoni-Amtsvorgänger schart Armin Meier eine verschworene Truppe um sich. Mit Rolf Schaf-roth einem Gewinner der Umstrukturierung hat Meier die Konzernleitung um ein Mitglied aufgestockt. Auffallend ist, dass die neue Führungsequipe nicht mehr aus Vollblut-Touristikern besteht, allesamt besitzen einen anderen schulischen und beruflichen Werdegang. Das muss kein Nachteil sein, im Gegenteil, es kann auch die veränderten Anforderungen an eine Konzernspitze eines global tätigen Players im Tourismus signalisieren. Dass sich die Bedingungen in letzter Zeit tatsächlich spektakulär verändert haben, ist unbestritten.
Wer in Kuoni-CEO Armin Meier den stets smarten, aber auch redegewandten, kommunikativen Manager der leisen Töne wähnte, sieht sich heute überrascht. Dieser Mann ist knallhart, zielorientiert und konsequent. Den Machtkampf gegen den ehemaligen VR-Präsidenten Andreas Schmid gewann Meier aus dem Hintergrund, ohne grosses Aufsehen. Er hatte bei diesem Gezanke seine engste Führungsmannschaft, also die gesamte Konzernleitung, um sich gruppiert und opponierte erfolgreich gegen die damaligen Verkaufsabsichten des Kuoni-Präsidenten an First Choice. Meier und seine Mannen haben anscheinend andere Absichten mit Kuoni und mittels der neuen, zentralisierten Konzernstruktur mehr Macht an sich gebunden.



