Den grössten Teil des Absatzvolumens von Procap Reisen machen die von Procap organisierten, begleiteten Gruppenreisen im In- und Ausland aus. «Teilweise könnten wir Reisen doppelt führen, doch wegen dem personellen und finanziellen Aufwand, müssen wir Grenzen setzen», bedauert Bigler.
Individualreisen werden einerseits gebucht «von Kunden, die solidarisch bei uns buchen», so die Ressortleiterin «andererseits von Leuten, denen Know-how fehlt oder die vielleicht bei einem anderen Reisebüro an Grenzen gestossen sind.» Der Beratungsaufwand in diesen Fällen sei enorm gross, weshalb er manchmal verrechnet werde.
Generell hätten Ferien für ihre in der Mobilität eingeschränkten Kunden ihren Preis, wie die für Individualreisen zuständige Christa Arnold bestätigt: «Will eine behinderte Person günstig reisen, muss sie auf vieles verzichten. Behindertengerechte Hotels sind in der Regel im 4- und 5-Sterne-Häuser und kosten dementsprechend.»
Als gemeinnützige Organisation erhält Procap Zuwendungen von Bund und Kantonen. Reisen können dadurch aber nicht verbilligt werden. «Nur Angebote in der Schweiz profitieren von Subventionen: Der Reiseteil wird normal kalkuliert und verrechnet; lediglich der Betreuungsaufwand ist teilsubventioniert. Bei den Individualreisen hingegen wird die aufwändige Beratungsleistung zum Teil durch den Verband bezuschusst. Allerdings betrifft dies lediglich die einfacheren und günstigeren Auslandsangebote. Will jemand zum Beispiel nach Südafrika, hat er bei aufwändigen Recherchen alle Beratungskosten selber zu tragen, was dem Kunden dementsprechend kommuniziert wird.»
Das Know-how der Mitarbeitenden von Procap Reisen ist gefragt; TOs wie Reisebüros, die an Grenzen stossen, fragen bei Procap an oder reichen sogar Kunden weiter. Eine engere Partnerschaft mit einem (grossen) Veranstalter sei allerdings trotz Gesprächen bis jetzt nicht zu Stande gekommen.
Dabei hat das Geschäftsfeld, in dem Procap Reisen tätig ist, Zukunft. Denn einerseits reisen behinderte Menschen vermehrt, was Helena Bigler unter anderem mit den modernen Kommunikationsmitteln erklärt: «Behinderte sehen, dass Reisen möglich ist, und sie können sich via Web über das Thema austauschen.» Andererseits braucht es für die Beratung der wachsenden Zahl älterer Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt aber immer noch reisefreudig sind, ähnliches Wissen wie bei der Beratung von Behinderten auch wenn sie keinesfalls als solche bezeichnet werden möchten. Bigler ist darum überzeugt, «dass die Informationen, die wir haben und laufend ausweiten, anderen TOs von Nutzen sind.»
Sara Marty
Eingeschränkte Mobilität und Luftverkehr
Das Buchen von Flügen für Reisende mit eingeschränkter Mobilität bedarf vieler Ab-klärungen.
Seit 1. November 2009 wird in der Schweiz die Verordnung über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität (Passengers with Reduced Mobility, PRM) umgesetzt; seither sind die Flughäfen für die Betreuung von Reisenden mit eingeschränkter Mobilität zuständig. In Zürich wurde diese Aufgabe der zu diesem Zwecke gegründeten Firma Careport übertragen.
Für Christa Arnold, Sachbearbeiterin Individualreisen bei Procap, ist das Buchen von Flügen für Menschen mit Handicap, speziell für Rollstuhlfahrer, dadurch zwar nicht weniger aufwändig geworden, mit dem Service von Careport hat sie aber gute Erfahrungen gemacht: «In Zürich scheint es meistens zu klappen; die Probleme tauchen eher im Ausland auf, wo nicht dieselben Verordnungen gelten.» Nach wie vor problematisch ist für behinderte Menschen ohne Begleitperson der Weg zum Check-in. Der (kurze) Weg vom Bahnperron zum Check-in-Schalter sei für jemanden im Rollstuhl mit viel Gepäck kaum zu schaffen.
Immer wieder kommt es vor, dass behinderte Personen von Airlines abgewiesen werden. Dafür hat Christa Arnold Verständnis: «Manchmal geht es halt einfach nicht, weil die Türen zu eng sind oder die Betreuung an Bord nicht garantiert werden kann. Dann muss ich für den Kunden eine andere Airline buchen.» Generell stellt sie fest, dass amerikanische Airlines viel kulanter sind, was alleinreisende Behinderte angeht.
SAM



