Mikro-TO macht schon bis zu einem Drittel des Umsatzes aus (Ausgabe 2013-20)

Reisebüros nutzen die Mikro-TO-Tools trotz Risiken ausgiebig – notgedrungen.

TRAVEL INSIDE hat sich bei sieben unabhängigen Retailern zum Dauerthema Mikro-Touroperating umgehört. Alle tun es, zwar in unterschiedlichem Ausmass, aber «notgedrungen», wie Marcel Hausheer (City Reisen, Zug) festhält: «Nur mit der Verkaufskommissionierung der TOs kann man heute kaum mehr wirtschaftlich überleben. Der dem Kunden gebotene Mehrwert muss bezahlt werden. Daher können wir – auf welcher Preisstufe auch immer – nicht in jedem Fall auf das Mikro-TO verzichten.» 

Auch praktische Gründe gelten als Argument pro Mikro-TO: «In Basel benötigen wir diese Zusatzleistungen oft, um mit dem grossen Flugangebot von Easyjet ab Basel ein Städte-Arrangement zu schnüren», erklärt Philippe Oehler (Swissexpress Basel).

Für das Mikro-TO kommen – je nach Prioritätspartner – Travelcube (Kuoni/GTA), Hotelshop (Hotelplan) oder FTD (TUI Flex) zum Zug. Ebenso werden die Hotelportale genutzt, also Exclusivelyhotels, Albatravel, Transhotel oder Gateway – teils gar alle zusammen.

Für die Nutzung gibt es jedoch klare Richtlinien, ansonsten auch im Mikro-TO «eine Überforderung» droht, wie Petra Hubler (El Travel, Biberist) warnt. Die Richtlinien sind in der Regel praktisch deckungsgleich mit den Empfehlungen bezüglich der Prioritätspartner. «Im Gegenzug ist aber der Status als Prio-Partner verbunden mit den entsprechenden Tools, welche dieser uns in den diversen Vertriebskanälen zur Verfügung stellen kann», nuanciert Hausheer, «hinzu kommt auch die Bewertung bezüglich der Unterstützung von schlanken Prozessen und der Bezahlmöglichkeit, nämlich nicht ständig die eigene Kreditkarte belasten zu müssen.» 

Marco Lehmann (Ryffel Reisen, Uster) verzichtet auf Richtlinien: «Die einzige Richtlinie ist, dass der Kunde zufrieden ist, wobei der beste Preis eine Rolle spielt.» Auch bei Schär Reisen gibt es keine Richtlinie: «Die Mitarbeitenden entscheiden oft selbst; das Umsatz-Pooling wird aber beachtet», so This Neuenschwander.

Aufgrund der unterschiedlichen Gewichtung variiert das «Gewicht» des Mikro-TO je nach Büro/Filiale stark: Bei den befragten Reisebüros bewegt sich der Anteil des Mikro-Touroperating am Gesamtumsatz (total bzw. im Leisure-Bereich) zwischen 2% und 30%. Der Anteil wird künftig generell noch etwas zunehmen, nachdem immer weniger klassische Pauschalreisen im Reisebüro gebucht werden.

Nur die wenigsten Befragten sprechen auch die Risiken an, welche sich mit Mikro-TO bei Haftungsfragen ergeben. Zur Erinnerung: Es ist Pflicht eines jeden Mikro-TOs, bis ins Detail informiert zu sein, wann er Veranstalter ist und in welchen Fällen er in welchem Umfang haften muss.

Was sind die Vorteile und Nachteile der
Mikro-TO-Tools?

Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und der beste Preis sind – zusammengefasst – für Reisebüros die wichtigsten Kriterien bei der Nutzung von Mikro-TO-Tools. «Die Preise sind übersichtlich und konkurrenzfähig», sagt Philipp Oehler. Ans Cets angebundene Systeme schwingen in der Gunst obenaus. Dazu Roger Camenzind (Reisestube Altdorf): «HP Hotelshop, Exclusivelyhotels oder Transhotel sind im Cets einfach buchbar; zusammen auch mit Flex Travel Discount erscheinen die Buchungen im Cets und können automatisch ins Inhouse-System übernommen werden.» Kuonis Travelcube kann das nicht, doch Camenzind findet auch dieses Tool stark: «Wichtig für uns ist, wenn wir vor der Buchung sehen, ab wann es Annullationsspesen gibt und wie lange wir die Reservationen halten können. Dies ist sehr gut bei Travelcube, wie auch, dass die Sammelrechnung erst kurz vor der LSV-Belastung ausgedruckt werden kann und dass die Voucher schön mit unserem Logo und vielen Infos versehen sind.»

«Die Tools wurden stets verbessert, wir können Kundenwünsche berücksichtigen und LSV-Belastungen versenden», freut sich Petra Hubler. Reto Tobler (Reise-Forum Meilen) hingegen meint, dass einige Systeme mehr versprechen, als sie halten, «speziell Flex Travel Discount, obwohl es langsam besser wird.» Bei reinen Hotelbuchungen meint er, dass ein «Request» (statt «Verfügbar») selten gut kommt und das Portal wohl Anfragen oft gar nicht rauslässt.

Auch Marcel Hausheer hegt Bedenken: «Von reinen Hotelportalen rate ich eher ab – von einer strategischen Überlegung her. Ich bin mir nicht sicher, wie lange es diese nämlich noch braucht. Hotels und Hotelketten nutzen heute ihre eigenen elektronischen Vertriebskanäle für die ‹best price›-Politik, und kaum die Bettenbanken.»

Jean-Claude Raemy/Simon Benz