Schär Reisen räumt auf. Die Strukturen der Firma werden rigoros entflochten, was in diesem Fall -bitter nötig war. Verschiedene Zugehörigkeiten der Filialen, inaktive Aktiengesellschaften, Kreuzbeteiligungen zwischen den verschiedenen Filialen für einen Aussenstehenden war es praktisch unmöglich, hier durchzublicken.
Die Stabsübergabe von Firmengründer Schämpu Schär an Martin Reber war der ideale Zeitpunkt, in der Firmenstruktur reinen Tisch zu machen. Dadurch kann man Prozesse beschleunigen und Kosten sparen. Vor allem aber bringt die Bereinigung auch für potenzielle externe Partner Licht ins Dunkel. Dass Schämpu Schär seine verbleibenden 49% an der Schär-Reisen Bern AG nicht komplett für sich behalten will, ist inzwischen mehr als nur ein Gerücht. Gut möglich, dass bisher die verwirrende Struktur mögliche Investoren abschreckte.
Als mögliche Teilhaber werden in Insiderkreisen vor allem TUI Suisse und Globetrotter Group genannt. TUI würde insofern auf der Hand liegen, als Schär Reisen im Verkauf heute schon prioritär auf den Veranstalter setzt. Andererseits sind die Entscheidungswege via TUI Travel Plc. in Grossbritannien eher lang, während Globetrotter als Berner Unternehmen inzwischen wurde der Firmensitz auch offiziell von Zürich nach Bern verlegt Schär Reisen näher steht. Ausserdem erhält man subjektiv das Gefühl, dass die Philosophien von Schär Reisen und Globetrotter einander näher stehen.
Wer auch immer der neue Partner wird aufgrund der künftigen Aktienkonstellation wird er keine Mehrheit übernehmen können. Die internen Teilhaber übernehmen im neuen Konstrukt allesamt wieder Anteile und bekennen sich damit klar zum Unternehmen. Schär Reisen bleibt selbstständig, was der Vielfalt der Branche förderlich ist und -zudem ein Signal aussendet, dass man als (relativ) kleiner selbstständiger Player im kompetitiven Markt durchaus noch bestehen kann. Und schliesslich ist es schön zu sehen, dass das Berner Touristik-Unikat Schämpu Schär trotz Abgabe der Aktienmehrheit nicht im Traum ans Aufhören denkt, sondern weiterhin neue Ideen kreiert und in der Berner Reise- und Eventszene auch künftig eine gewichtige Rolle spielen wird.



