Die Berner Skywork Airlines ist mit der in München beheimateten MHS Aviation im Rahmen einer Überkreuzbeteiligung zu gleichen Anteilen eine strategische Partnerschaft eingegangen. Durch gemeinsame Synergien sollen Kosteneinsparungen in einstelliger Millionenhöhe erreicht werden, erklärt Gerd Brandecker (Co-Gesellschafter von MHS Aviation).
Brandecker ist in der Branche kein Unbekannter. Mit seiner 1995 gegründeten Cirrus Airlines plante er bereits früher einmal eine Partnerschaft mit Skywork sowie die gemeinsame Wartung ihrer Dornier-Flotten. Beides kam aber nicht zustande. Anfang 2012 meldete Cirrus Insolvenz an. Mit MHS Aviation schreiben Brandecker und sein Mitgesellschafter Axel-Georg André dieses Jahr erstmals seit der Übernahme des Unternehmens vor einigen Jahren keine roten Zahlen.
MHS betreibt eine Flotte von 13 Fluggeräten drei Helikoptern, sechs Business-Jets und vier Passagierflugzeugen des Typs Dornier 328, die auch Skywork betreibt. In der kürzlich von MHS gegründeten Werft in Saarbrücken wird Skywork künftig ihre Maschinen warten, und es wird auch ein Maintenance-Ableger in Bern mit Schweizer Personal aufgebaut. Der im Februar 2014 auslaufende Dreijahresvertrag mit dem Technologiekonzern Ruag in Bern wird von Skywork nicht mehr verlängert, die Flugzeuge und Crews von Skywork bleiben jedoch in Bern stationiert.
Im Frühjahr 2014 startet MHS mit eigenem AOC, aber unter der Marke Skywork mit einem innerdeutschen Linienflug. Um welche Strecke es sich handelt, wird noch nicht kommuniziert. Offenbar sind drei tägliche Verbindungen geplant; es ist also gut möglich, dass eine der Skywork-Dorniers in Deutschland stationiert sein wird. Auch wenn sich der neue Skywork-CEO Rolf Hartleb mit konkreten Plänen zurückhält, schliesst er nicht aus, dass es in Zukunft weitere innerdeutsche Strecken von Skywork geben könnte.
Neben der neuen Partnerschaft mit MHS konnte sich Skywork durch zwei neue Berner Investoren auch finanziell Luft verschaffen. Um wen es sich dabei handelt und wie hoch deren finanzielles Engagement ist, wird nicht kommuniziert. «Daniel Borer ist aber keiner der Investoren», erklärt Skywork-Präsident Sébastien Mérillat und fügt an, dass Skywork auch weiterhin für neue Partnerschaften offen sei.
Die Finanzspritze war mehr als notwendig, denn laut CEO Hartleb hat man vorgängig verschiedene Optionen geprüft, unter anderem auch ein «Soft Landing», d.h. die kontrollierte Betriebs-einstellung. Man hätte dann mit den verbleibenden Geldern ein Sozialpaket für die Mitarbeiter geschnürt und alle Verbindlichkeiten beglichen.
Noch vor einem Jahr kündigte der damalige CEO Tomislav Lang den Turnaround per Ende 2013 an, nun stellt Hartleb klar: «Wir werden dieses Jahr noch keine schwarzen Zahlen schreiben, und auch 2014 dürften wir noch einen kleinen Verlust in den Büchern stehen haben.»
Auch hinsichtlich des Streckennetzes schlägt Hartleb gemässigtere Töne an: «Wir wollen das Netzwerk nicht mehr so aggressiv erweitern, wie wir das früher getan haben. Zwar ist es für die Region Bern schön, wenn wir 35 Destinationen anbieten. Wenn wir auf einzelnen Strecken aber nur 25 bis 30% Auslastung haben, geht die Rechnung nicht auf.»
Hartleb ersetzt Lang als CEO
Letzte Woche hat Skywork-CEO Tomislav Lang die Airline verlassen und seine Anteile verkauft. Neuer CEO ist der ehemalige COO Rolf Hartleb. Die übrigen Geschäftsleitungsmitglieder Kirsten Steingrüber (CFO) und Thomas Kurzweg (CCO) bleiben im Amt. Die COO-Nachfolge soll in Kürze geregelt werden.



