Neue Portale schüren Angst vor Crossboarder-Geschäft (Ausgabe 2010-03)

Der Markteintritt von E-hoi.ch heizt in der Cruise-Szene das Thema Preisparität weiter an.

E-hoi, eines der führenden deutschen Cruise-Portale aus dem Hause
E-Domizil, lanciert in den nächsten Wochen eine Schweizer
Internetseite. Geleitet wird der in Walzenhausen/AR domizilierte
Schweizer Ableger von Alexander Esslinger (Ex-Vacando, davor acht Jahre
Aida): «Wir stellen uns als Schweizer Unternehmen mit Schweizer
Reisegarantie und Schweizer Produkten auf», hält er dezidiert fest.

Denn nachdem mit McCruise in Basel kürzlich bereits ein grosser
österreichischer Player in den hiesigen Markt einstieg (allerdings
nicht in erster Linie als Online-Plattform), wird die
grenzüberschreitende Offensive von E-hoi von den etablierten Schweizer
Online-Agenturen mit Argusaugen beobachtet. Befürchtet wird, dass das
Crossboarder-Geschäft eine neue Dimension gewinnt: Bekanntlich arbeiten
die grossen Volumenreedereien wie Costa oder MSC in den europäischen
Märkten mit unterschiedlichen Preisen. Die Schweiz gilt dabei im
Vergleich oft als Hochpreisinsel.

Mit der wachsenden Bedeutung des Internets und der Cruise-Portale
werden die Preise über die Grenze hinweg transparenter. Diese Tatsache
entwickelt sich nun zu einem immer brisanteren Thema. So könnten
ausländische Portale einerseits ihre Website Schweizer Reisebüros zur
Verlinkung oder Integration anbieten und so den hiesigen Markt mit
Euro-Preisen bedienen.

Offenbar geht Kreuzfahrten.de so vor, ebenfalls eine der wichtigen deutschen Plattformen.
Bei E-hoi sei das aber nicht der Fall, unterstreicht Alexander
Esslinger. Man trete ganz klar auf der .ch-Site mit Schweizer Produkten
und Preisen auf: «Ich kann aber niemandem verbieten, auf E-hoi.de zu
buchen», ergänzt er. Dieser Kunde verzichte aber dann auf das Schweizer
Anreisepaket und die Absicherung – das Produkt definiert sich über die
Domaine.

Trotzdem buchen aber offenbar immer mehr Schweizer Kunden direkt auf
Online-Cruiseplattformen im Ausland. Jerome Danglidis von The Cruise
Line geht davon aus, dass es sich dabei jährlich um gegen 10000
Buchungen handelt: «Wenn die Kunden die Preise über die Grenze hinweg
vergleichen, ist es für uns oft schwierig, mit unseren Preisen
mitzuhalten.» Cruise Line arbeite zwar im Hintergrund mit einer
deutschen Software, werde aber von den Reedereien verpflichtet,
Schweizer Preise zu laden. George Studer vom Cruise Center wird noch
deutlicher: «Unterschiedliche Preise in Europa schwächen uns. Wir
bewerben das Segment mit viel Geld, doch dann buchen die Kunden im
Ausland. Es ist für mich total unverständlich, dass die Reedereien
nichts dagegen unternehmen.»

Und was sagen die angesprochenen Grossreedereien dazu? «Euro-Preise in
der Schweiz dürften eigentlich nicht sein, das müsste man unterbinden»,
lenkt Nicole Jordan von Costa ein. Am grundsätzlichen System
unterschiedlicher Preise in den Märkten werde man aber vorläufig sicher
nicht rütteln. Eigene Abklärungen hätten zudem ergeben, dass das
Crossboarder-Geschäft massiv überschätzt werde.

Paul Egli von MSC Kreuzfahrten ergänzt: «Wir verlangen von Portalen in
der Schweiz, dass sie unsere Preise übernehmen.» Andererseits könne
eine Reederei nicht feststellen, welche Nationalitäten über die Portale
buchen – die Kundendaten bleiben schliesslich beim Portal. Die
Diskussion sei deshalb hinfällig. Zudem sei es oft auch so, dass der
Preis in der Schweiz dank Aktionen günstiger sei als im Ausland.
Trotzdem – das Thema wird die Branche weiterhin beschäftigen.

Beat Eichenberger