Neue Runde im Zürcher Flughafenstreit (Ausgabe 2009-06)

Hansjörg Bürgi, Chefredaktor des Luftfahrtmagazins SkyNews.ch

Voraussichtlich am 23. Februar behandelt der Zürcher Kantonsrat die
drei hängigen Flughafen-Initiativen. Spätestens dann wird eine neue
Runde im Zürcher Flughafenstreit eingeläutet. Einmal geht es um die
«Verteilungsinitiative», welche allen Flughafenanwohnern gleich viel
Lärm bescheren will. Eine zweite fordert eine Plafonierung bei 320000
Starts und Landungen pro Jahr und acht Stunden Nachtruhe. Die dritte
Initiative will dem Flughafen sämtliche Neu- und Ausbauten untersagen.

Einzig diesem sogenannten «Pistenmoratorium» werden Chancen eingeräumt.
Werden die Initiativen nicht zurückgezogen, kommen sie voraussichtlich
am 27. September vors Volk. Dabei wären eigentlich alle drei Begehren
überflüssig, denn einerseits hat das Zürcher Stimmvolk am 25. November
2007 mit der Ablehnung der damaligen Plafonierungsinitiative die
Weichen für die Zukunft gestellt. Andererseits wird immer wieder
vergessen, dass Luftfahrt Bundessache ist und zuletzt in Bern über den
Zürcher Flughafen entschieden wird.
Allerdings braucht es auch keine dieser drei Initiativen, weil dem
Flughafen Zürich-Kloten mit dem ebenfalls am 25. November 2007
verpassten Zürcher Fluglärmindex (ZFI) bereits ein Korsett geschnürt
wurde, das ziemlich bald zu eng wird.

Der ZFI ist eine rechnerische Grösse, die – vereinfacht erklärt – bei
gleich bleibendem Verkehr, aber einer Zunahme der Wohnbautätigkeit in
Flughafennähe ebenfalls zu einer Plafonierung führt. Massgebend ist die
«Anzahl gestörter Personen». Nur, wie viele fühlen sich wirklich
gestört, wenn sie in eine Flughafengemeinde ziehen?

Überwiegen nicht die Zentrumsnähe, die gute Verkehrsanbindung und
andere Standortfaktoren? So schlimm kann der Fluglärm nicht sein, sonst
würden nicht Tausende jedes Jahr in die Nähe der Pisten ziehen. Ein
Vorschlag könnte sein, dass alle Neuzuzüger einen Vertrag
unterschreiben würden, dass sie nicht gegen den Flughafen opponieren.
Dies war früher bei Schiessständen in Wohnquartiernähe die Regel. Mit
einer solch einfachen Massnahme könnte man den viel zu komplexen ZFI
ablösen.