Neues Bündnis über Sibirien: Finnairs Zukunft liegt in Asien (Ausgabe 2014-07)

Die finnische Airline baut ihre Präsenz in Asien aus – und in Zürich.

Finnair hat Grosses vor mit ihrer Langstrecke. Bis 2020 sollen die Sitzplatzkapazitäten im Interkontinentalverkehr verdoppelt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf Asien: Finnair will den Flughafen Helsinki-Vantaa zum Hub zwischen Europa und Nordasien etablieren. Was mit Blick auf eine zweidimensionale Weltkarte wenig Sinn macht, offenbart sich beim Betrachten eines Globus als ziemlich direkte Strecke, vor allem für Japan, Korea und China. Zu den bereits existierenden elf Strecken zwischen Helsinki und Asien gesellen sich ab dem 30. März die Verbindung nach Xi’an (China) sowie ab dem 2. Juni ins vietnamesische Hanoi. «Eine grosse Zukunft sehen wir vor allem im Japan-Geschäft», sagte Zentraleuropa-Verkaufsdirektor Jan Pellinen anlässlich eines Besuchs in Zürich. 

Aus diesem Grund startet Finnair im April ein neues Joint Venture mit Japan Airlines und British Airways, das so genannte Sibirian Joint Business. Die drei Oneworld-Partner werden im Rahmen dieser Zusammenarbeit gemeinsame Tarife auf den Strecken zwischen Europa und Japan anbieten. Die Passagiere können aus Flügen aller drei Airlines frei wählen, und die Fluggesellschaften werden Umsätze und Kosten auf den Routen gemeinsam bestreiten und die Gewinne teilen. 

Den Verkehr über den Atlantik überlässt Finnair hingegen weitgehend der SAS, auch wenn sich einzelne Destinationen wie New York oder Toronto im Netzwerk des finnischen Carriers finden. Die beiden Airlines tun sich deshalb kaum gegenseitig weh, abgesehen von der Präsenz der SAS-Tochter Blue1 in Helsinki.

Immer wieder im Gespräch ist eine Fusion zwischen SAS und Finnair; letztmals erhielten die Gerüchte neue Nahrung, als Pekka Vauramo im Juni 2013 neuer CEO von Finnair wurde und in skandinavischen Medien verlauten liess, dass man offen für eine Fusion sei und darin gute Perspektiven sehe. Der grosse Gegner lauert nämlich woanders: Der Low Cost Carrier Norwegian macht Finnair und SAS gleichermassen das Leben schwer, vor allem was das Domestic- und Skandinavien-Geschäft angeht. Zwischen der Schweiz und Helsinki ist Norwegian aber noch nicht aktiv. Hier hat Finnair – abgesehen von einer einzelnen SAS-Verbindung zwischen Genf und Helsinki – das Monopol inne und ist dabei, es auszubauen. 

Die zwei täglichen Flüge nach Genf bleiben, die Kapazität nach Zürich wird von zwei auf vier Flüge pro Tag verdoppelt. «Die zusätzlichen Flüge zielen weniger auf die Asien-Umsteigeverbindungen als vielmehr auf die Geschäftsreisenden. Dies, weil die eine Maschine künftig frühmorgens Zürich verlässt, spätabends wieder zurückkommt und über Nacht in der Schweiz bleibt», erklärt Pellinen. Auch hoffe man, damit das Geschäft mit den Schweizer Finnland-Veranstaltern stärken zu können. Geflogen wird je nach Bedarf mit einer Embraer 170 oder einem Airbus A319.

Stefan Jäggi