Nicht alle Veranstalter sagen ihre Reisen ans Rote Meer ab (Ausgabe 2013-34)

Die «G3» streichen alle Abreisen bis 20. September – ETI und FTI nicht.

Die Reiseveranstalter haben unterschiedlich auf die neuen Ägypten-Reisehinweise des EDA reagiert. Ägypten-Spezialist Express Travel International (ETI) hatte zuerst nur Umbuchungen und Stornierungen bis 25. August zugelassen, hat die Frist nun aber bis 15. September verlängert. Für Geschäftsführer Michael Grütter ist die Reaktion des EDA unverständlich: «Die Situation vor Ort hat sich gar nicht zugespitzt – nur die auswärtigen Ämter haben die Lage zugespitzt.» ETI-Gäste können deshalb weiterhin nach Ägypten reisen, allerdings nehme nur noch ein kleiner Teil der Kunden diese Möglichkeit wahr. 

Der zweite grosse Ägypten-Spezialist ist Amin Travel. Allerdings hat sich der TO in letzter Zeit immer stärker diversifiziert, nachdem der Kulturtourismus nicht mehr richtig in die Gänge gekommen ist. «Wir hatten in letzter Zeit nicht viele Ägypten-Kunden, und zurzeit ist kein einziger im Land», sagt Product Manager Jasmina Kulas. Wer im September abreisen wollte, werde nun vor allem nach Zypern und Malta umgebucht. Und im Winter hat Amin mit Madeira und den Azoren zwei andere Eisen im Feuer. «Wir könnten ohne Ägypten überleben», so Kulas.

Die drei grossen Veranstalter Hotelplan Suisse, Kuoni und TUI Suisse haben sich auf den 20. September geeinigt – bis zu diesem Abreisedatum können Ägyptenreisen kostenlos umgebucht oder storniert werden. Bis dahin gibt es auch keine neuen Abreisen. Die Frist orientiert sich am Ausnahmezustand in Ägypten, der vorerst bis 15. September gilt, sowie an den Herbstferien, die in vielen Kantonen eine Woche nach dem 20. September beginnen.

Anders sieht es bei FTI aus. Dort gilt der 15. September als Stichtag; der Veranstalter schickt aber weiterhin Kunden nach Ägypten. «Das EDA hat seine Reisehinweise angepasst, aber keine Reisewarnung für das Rote Meer herausgegeben. Aus diesem Grund sehen wir keine Veranlassung, die Flüge einzustellen», sagt Verda Birinci Reed, Managing Director FTI Schweiz. Auch gebe es nach wie vor Gäste, die auf ihre Reise nicht verzichten möchten oder sogar neu buchen.

Generell gibt es bei allen Veranstaltern praktisch keine Gäste, die frühzeitig nach Hause kommen wollen. Umbuchungen werden momentan individuell bearbeitet, ein gross angelegtes «Um-Shiften» wie vor zweieinhalb Jahren findet noch nicht statt. Je nach Entwicklung könnte sich dies aber ändern, so die einhellige Meinung.

Noch stärker leiden die Anbieter von Nilfahrten, da die auswärtigen Ämter von dieser Region schon länger abraten. Mövenpick etwa hatte erst vor einem Jahr seine Präsenz auf dem Nil markant ausgebaut. Die Wiederaufnahme nach der Sommerpause verzögert sich nun; die meisten Mövenpick-Schiffe starten erst im Oktober wieder. 

Seit noch nicht einmal einem Jahr ist auch Steigenberger mit drei Schiffen auf dem Nil präsent. Das Kreuzfahrtprogramm wurde nun aber vorübergehend gestoppt; an seinem Engagement auf dem Nil will Steigenberger wie Mövenpick auch festhalten.

Stefan Jäggi